»Nun, Mann, mache Platz!« fügte diese hinzu, indem sie ihn fast umstieß und sich von allen mit der größten Feinheit verabschiedete, das heißt, den Kopf leicht zur Seite geneigt, ergriff sie ihr Kleid mit den Fingerspitzen und neigte sich anmutig, bis sie die Modereverenz jener Zeit ausführte, die man la pompa[9] nannte.

»Aber ich... aber du... aber wir... aber die da,« murmelte der arme Alte noch immer, zog seine Frau am Kleide und störte ihre bestangefangenen Verbeugungen.

Vergebliches Bemühen! Niemand kümmerte sich um Sr. Gnaden.

Als alle fortgegangen und die entzweiten Gatten im Salon allein waren, geruhte die Corregidora endlich im Tone einer Czarin aller Reussen, welche über einen gefallenen Minister den Blitzstrahl der ewigen Verbannung nach Sibirien schlendert, zu ihrem Gatten zu sagen:

»Und lebtest du tausend Jahre, so sollst du doch nie erfahren, was in dieser Nacht in meinem Schlafzimmer vorgefallen ist. Wenn du darin gewesen wärest, wie es natürlich war, so brauchtest du niemand danach zu fragen. Was mich anbetrifft, so habe und werde ich nie einen Grund haben, der mich nötigen könnte, es zu enthüllen, dazu verachte ich dich zu sehr, und wenn du nicht der Vater meiner Kinder wärest, so würde ich dich jetzt vom Balkon herunterstürzen ... Und hiermit gute Nacht, Caballero!«

Als die Corregidora diese Worte ausgesprochen hatte, die der Corregidor anhörte, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken (denn wenn er allein war, wagte er es nicht, gegen seine Frau aufzutreten), ging sie in das Schlafzimmer, schloß die Thüren hinter sich zu, und der arme Mann blieb mitten im Saal aufgepflanzt stehen und murmelte mit einem beispiellosen Cynismus zwischen den Gaumen — Zähne hatte er ja nicht:

»Gott sei Dank! Ich glaubte nicht, daß es so gut enden würde... Garduña wird mir eine andere suchen.«


36.
Schluß, Moral und Epilog.