Briefwechsel
zwischen
Abaelard und Heloise
mit der
Leidensgeschichte Abaelards
Aus dem
Lateinischen übersetzt und eingeleitet
von Dr. P. Baumgärtner
Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig
Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig
Printed in Germany
Inhalt.
| Einleitung | [5—17] | |
| 1. Brief: | Abaelard an einen Freund (Die Leidensgeschichte) | [19—73] |
| 2. Brief: | Heloise an Abaelard | [73—83] |
| 3. Brief: | Abaelard an Heloise | [83—91] |
| 4. Brief: | Heloise an Abaelard | [91—102] |
| 5. Brief: | Abaelard an Heloise | [102—125] |
| 6. Brief: | Heloise an Abaelard | [126—149] |
| 7. Brief: | Abaelard an Heloise | [149—203] |
| 8. Brief: | Abaelard an Heloise | [203—303] |
| 9. Brief: | Heloise an Abaelard | [303—305] |
| 10. Brief: | Abaelard an Heloise (mit 2 Sammlungen von Hymnen) | [305—312] |
| 11. Brief: | Abaelard an Heloise (mit einer Predigtsammlung) | [312—313] |
| 12. Brief: | Abaelard an Heloise (Abaelards Glaubensbekenntnis) | [313—315] |
Einleitung.
Die Übersetzung dieser Briefe ist entstanden in einer Zeit, da körperliches Leiden mir ein selbständiges wissenschaftliches Arbeiten unmöglich machte. Ich las und übersetzte anfangs zu meiner eigenen Unterhaltung und Übung; doch je mächtiger diese Urkunden der Liebe und des geistigen Verkehrs zweier so hochherziger Menschen mich selber anzogen, desto lebhafter regte sich der Wunsch, auch anderen sie zugänglich zu machen. Unsere kirchengeschichtliche Litteratur enthält so manchen edlen Schatz, der in staubiger Hülle vergessen in den Bibliotheken aufgespeichert steht — so manches Schriftdenkmal, das in seiner fremden Sprache nur zum Gelehrten redet, während es ans Licht gezogen und verständlich gemacht manchem ernstergerichteten Leser Genuß und Erbauung zu bieten vermöchte.
So sind auch die Briefe, die von Abaelard und Heloise auf uns gekommen sind, in Deutschland wenigstens, nur wenig bekannt, obwohl die beiden zu jenen Liebespaaren von weltgeschichtlichem Rufe gehören, deren Namen unauflöslich miteinander verbunden sind, wie Hero und Leander, Tristan und Isolde, Dante und Beatrice. Im Ausland dagegen und besonders in Frankreich schenkte man diesen Briefen frühzeitig Aufmerksamkeit, und namentlich die eigentlichen Liebesbriefe wurden mannigfach dichterisch bearbeitet und romanhaft ausgeschmückt — jedoch nicht zu ihrem Vorteil: man vergleiche die Bearbeitungen, die diesem Gegenstand durch einen Pope und Colardeau — bei uns durch eine formvollendete poetische Übersetzung Bürgers eingeführt — zu teil geworden sind, mit unserem Original, und man wird leicht gewahr werden, um wie viel edler und, bei aller Leidenschaftlichkeit, keuscher dieses letztere ist als jene pikanten Leistungen.