Aber wir wollen nicht weiter sprechen von den jüdischen Frauen, die gleich im Anfang, während der Herr selbst noch lebte und das Evangelium verkündigte, zum Glauben kamen und den Grund legten zu der Lebensweise, die ihr erwählt habt. Sondern wir wollen auch der griechischen Witwen gedenken, welche später von den Aposteln in die Gemeinde aufgenommen worden sind; wir werden da sehen, mit welcher Liebe und Sorgfalt die Apostel ihnen entgegenkamen und wie jener ruhmreiche Bannerträger des christlichen Häufleins, Stephanus, der erste der Märtyrer, mit einigen anderen geistbegabten Männern von den Aposteln zu ihrem Dienste aufgestellt wurde. Auch hierüber berichtet die Apostelgeschichte: „In den Tagen aber, da der Jünger viel wurden, erhub sich ein Murmeln unter den Griechen wider die Hebräer, darum daß ihre Witwen übersehen wurden in der täglichen Handreichung. Da riefen die Zwölfe die Menge der Jünger zusammen und sprachen: ‚Es taugt nicht, daß wir das Wort Gottes unterlassen und zu Tische dienen. Darum, ihr lieben Brüder, sehet unter euch nach sieben Männern, die ein gut Gerücht haben und voll heiligen Geists und Weisheit sind, welche wir bestellen mögen zu dieser Notdurft. Wir aber wollen anhalten am Gebet und am Amt des Wortes.‘ Und die Rede gefiel der ganzen Menge wohl und erwähleten Stephanum, einen Mann voll Glauben und heiligen Geistes und Philippum und Prochorum und Nikanor und Timon und Parmenam und Nikolaum, den Judengenossen von Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel und beteten und legten die Hände auf sie“. Es spricht gar sehr für die Enthaltsamkeit des Stephanus, daß er zum Dienst und zur Fürsorge für die frommen Frauen bestellt wurde. Was für ein hohes Ehrenamt die Verwaltung dieses Dienstes war und wie verdienstlich vor Gott und in den Augen der Apostel, das haben sie selber bezeugt durch das Gebet, mit dem sie die Handlung weihten, und durch Auflegung der Hände, als wollten sie diejenigen, die damit betraut wurden, beschwören, Treue zu halten, und durch ihren Segen und ihr Gebet ihnen die Kraft dazu verleihen.

Auch der Apostel Paulus nimmt diesen Dienst als ein Recht seines Apostelamtes in Anspruch: „Haben wir nicht Macht, sagt er, eine Schwester zum Weibe mit umherzuführen, wie die andern Apostel?“ Als wollte er sagen: Ist es uns nicht erlaubt, ein Gefolge von frommen Frauen zu haben und sie auf unsern Missionsreisen mit uns zu führen, wie die andern Apostel, damit sie, während wir das Wort Gottes predigen, von dem Ihrigen unsere äußeren Bedürfnisse befriedigen? Darum sagt auch der heilige Augustin in seinem Buch „Vom Werk der Mönche“: „Darum gingen gläubige Weiber mit ihnen, die mit den Gütern dieser Welt gesegnet waren, und thaten ihnen von dem Ihrigen Handreichung, damit sie an dem, was zum Unterhalt des Lebens dient, nicht Mangel litten“. Ferner: „Wer nicht glauben will, daß die Apostel frommen Frauen gestatteten, sie überall hin zu begleiten, wo sie das Evangelium verkündigten, der möge das Evangelium selbst nachlesen und daraus ersehen, daß sie hierin dem Beispiel des Herrn selber folgten. Denn im Evangelium heißt es: ‚Und es begab sich danach, daß er reisete durch Städte und Märkte und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes, und die Zwölfe mit ihm; dazu etliche Weiber, die er gesund hatte gemacht von den bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, die da Magdalena heißet, und Johanna, das Weib Chusa, des Pflegers Herodis, und Susanna und viel andere, die ihnen Handreichung thaten von ihrer Habe‘. Hieraus geht also deutlich hervor, daß der Herr, während er predigend umherzog, von dienenden Frauen mit den Bedürfnissen des äußerlichen Lebens versorgt wurde und daß diese Frauen gleichwie die Apostel seine unzertrennliche Begleitung bildeten.“

Als dann der Drang zu einem gottgeweihten Leben unter Männern und Frauen sich häufiger einstellte, hatten schon in den Anfangszeiten der Kirche Frauen wie Männer besondere klösterliche Behausungen. So erwähnt die „Kirchengeschichte“ das Lob, welches der beredte Jude Philo über die alexandrinische Kirche unter der Leitung des Markus nicht nur ausgesprochen, sondern auch schriftlich in hohen Ausdrücken niedergelegt hat; es heißt dort Buch II, Kapitel XVI unter anderem: „In vielen Gegenden der Erde leben solche Menschen“. Und bald darauf: „An jedem dieser Orte befindet sich ein der Andacht geweihtes Haus, welches ‚ senivor ‘ oder ‚Monasterium‘ genannt wird“. Ferner heißt es weiter unten: „Sie kennen nicht bloß die besten frommen Lieder der Alten, sondern dichten auch selbst neue zur Ehre Gottes, welche sie nach verschiedenen Rhythmen und Tonarten gar lieblich singen“. Es wird dann verschiedenes von ihrer Enthaltsamkeit und von der Art ihres Gottesdienstes berichtet, worauf es weiter heißt: „Bei den Männern, von denen wir sprechen, befinden sich auch Frauen, darunter mehrere schon hochbetagte Jungfrauen, welche ihren Leib unberührt und keusch bewahren, nicht aus irgend welchem Zwang, sondern aus Frömmigkeit; die, während sie mit Eifer dem Studium der Weisheit obliegen, nicht allein ihre Seele, sondern auch den Leib heiligen und es für unwürdig halten, daß das zur Aufnahme der Weisheit bestimmte Gefäß der Lust diene, oder daß diejenigen sterbliche Kinder gebären, die nach der geheiligten unsterblichen Frucht des göttlichen Wortes streben und die eine Nachkommenschaft hinterlassen sollen, die nimmermehr dem Tod und der Vernichtung anheimfällt“. Weiter heißt es von Philo: „Er schreibt auch von ihren Gemeinschaften, daß Männer und Weiber getrennt in besonderen Vereinigungen leben, und daß sie Vigilien halten, wie es bei uns jetzt noch Sitte ist“.

Hierher gehört auch, was die „Dreiteilige Geschichte“ zum Lobe der christlichen Philosophie, d. h. des Mönchslebens sagt, dem Frauen wie Männer sich ergeben. Es heißt da Buch I, Kapitel XI: „Die Begründer dieser tiefsinnigen Philosophie waren, wie einige behaupten, der Prophet Elias und Johannes der Täufer.“ Der Pythagoräer Philo aber erzählt, daß zu seiner Zeit fromme Hebräer aus verschiedenen Gegenden sich in einem Landhaus bei einem Sumpf Maria, auf einem Hügel gelegen, vereinigt und dort der Philosophie gelebt haben. Ihre Wohnung aber und die Art, sich zu ernähren und ihre ganze Lebensweise schildert er so, wie wir sie bei den ägyptischen Mönchen jetzt noch beobachten. Er schreibt, daß sie vor Sonnenuntergang keine Speise zu sich nehmen, des Weines und des Fleisches sich gänzlich enthalten, als Speise diene ihnen Brot, Salz und Ysop, als Trank Wasser. Mit ihnen zusammen wohnen hochbetagte Weiber, die aus Liebe zur Philosophie Jungfrauen geblieben waren und freiwillig auf die Ehe verzichtet hatten.

Ähnlich lautet, was Hieronymus im 8. Kapitel seines Buches „Berühmte Männer“ zum Lobe des Markus und seiner Kirche schreibt: „Er zuerst predigte in Alexandria von Christus und gründete daselbst eine Kirche, durch Lehre und Sittenstrenge so ausgezeichnet, daß sich alle Christen an ihr ein Beispiel nehmen mußten“. Endlich hat Philo, der gewandteste Schriftsteller der Juden, welcher die erste damals noch judenchristliche Kirche zu Alexandria erlebte, zur Verherrlichung seines Volkes ein Buch über dessen Bekehrung geschrieben, und wie Lukas erzählt, daß die Gläubigen in Jerusalem alles gemeinsam besessen haben, so hat auch Philo die Vorgänge in der unter der Leitung des Markus stehenden alexandrinischen Kirche dem Gedächtnis überliefert.

Ebenso sagt Hieronymus des weiteren im 11. Kapitel: „Der Jude Philo, von Geburt ein Alexandriner und einer Priesterfamilie angehörend, wird von uns darum unter die Kirchenschriftsteller gezählt, weil er in seinem Buch über die erste, vom Evangelisten Markus gegründete Kirche von Alexandria sich in Lobsprüchen über die Unsrigen ergeht und erwähnt, daß dieselben nicht bloß hier, sondern auch in vielen anderen Provinzen sich aufhalten, und ihre Wohnungen Klöster nennt“.

Daraus geht doch hervor, daß im Anfang die Gemeinschaft der Christen von der Art gewesen ist, wie sie jetzt die Mönche nachahmen und erstreben: da besaß keiner etwas für sich, da gab es weder arm noch reich; was man hatte, wurde unter die Bedürftigen verteilt, im übrigen füllte man die Zeit aus mit Gebet und Singen, mit Predigt und Übung in der Enthaltsamkeit, wie dies Lukas in ähnlicher Weise von der ersten Christengemeinde in Jerusalem berichtet.

Lesen wir die Geschichten des Alten Testamentes nach, so finden wir da, daß in allen Angelegenheiten, welche Gott oder besondere religiöse Leistungen betreffen, die Frauen nicht hinter den Männern zurückgeblieben sind. Die heiligen Urkunden berichten, daß sie ebenso wie die Männer Lieder zur Ehre Gottes nicht bloß gesungen, sondern auch selbst gedichtet haben. Das erste Lied von der Befreiung Israels haben nicht die Männer allein, sondern mit ihnen die Frauen dem Herrn zum Preise gesungen, und sie haben sich dadurch das Recht erworben, beim Gottesdienst im Tempel mitzuwirken. Denn also steht geschrieben: „Und Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand, und alle Weiber folgten ihr nach, hinaus mit Pauken am Reigen und sie sang ihnen vor: ‚lasset uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche That gethan‘“. Dort wird Moses nicht genannt und von ihm wird nicht gesagt, daß er wie Mirjam vorgesungen habe, überhaupt wird von den Männern nicht berichtet, daß sie gleich den Weibern mit Pauken am Reigen gegangen seien. Wenn nun Mirjam die vorsingende Prophetin genannt wird, so scheint sie jenen Gesang nicht bloß vorgetragen und abgesungen, sondern in prophetischer Begeisterung gedichtet zu haben. Wenn es ferner heißt, sie habe den übrigen vorgesungen, so ist das ein Beweis für die strenge Ordnung und Harmonie ihres Spiels. Und daß sie nicht bloß einfach sangen, sondern ihren Gesang mit Pauken begleiteten und besondere Singchöre bildeten, zeugt nicht allein für ihren großen Eifer, sondern deutet auch vorbildlich hin auf den geistlichen Gesang in den klösterlichen Gemeinschaften. Auch der Psalmist ermuntert uns dazu mit den Worten: „Lobet ihn mit Pauken und Reigen“, d. h. so viel als: durch Abtötung des Fleisches und durch jene einträchtige Liebe, von der geschrieben steht: „Die Menge der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele“.

Auch das, womit die Frauen ihren Gesang nach dem Berichte begleitet haben, ist nicht ohne sinnbildliche Bedeutung: es wird dadurch dargestellt der Jubel der in Gott versunkenen Seele, welche, indem sie sich zu den himmlischen Regionen emporschwingt, gleichsam die Hütte ihrer irdischen Behausung verläßt und aus der tiefen Wonne ihrer Gottversunkenheit heraus frohlockend dem Herrn ein Loblied singt.

Wir haben im Alten Testament auch noch Lieder von Debora, Hanna und von der Witwe Judith, sowie im Evangelium eines von der Mutter des Herrn. Indem Hanna ihren Knaben Samuel dem Tempel des Herrn geweiht hat, hat sie damit den Klöstern das Recht zur Aufnahme von Kindern gegeben. Daher schreibt Isidorus in seinem Brief an die im Kloster des Honorianus lebenden Brüder, Kapitel V: „Wer von seinen Eltern dem Kloster geweiht worden ist, der soll wissen, daß er daselbst für immer zu bleiben hat. Denn auch Hanna hat ihren Sohn Samuel dem Herrn dargebracht, und er blieb beim Dienste des Tempels, zu welchem er von seiner Mutter bestimmt worden war, und diente an dem Platze, auf den man ihn gestellt hatte“. Es ist auch sicher, daß die Töchter Aarons am Dienste des Heiligtums und am Erbe Levis denselben Anteil hatten wie ihre Brüder; Gott wies ihnen ebenso ihren Unterhalt an, wie im Buche Numeri geschrieben steht, wo der Herr selbst zu Aaron spricht: „Alle Hebopfer, welche die Kinder Israel heiligen dem Herrn, habe ich dir gegeben und deinen Söhnen und Töchtern samt dir zum ewigen Recht“. Es scheint demnach, als habe man auch für den Stand der Kleriker keinen Unterschied gemacht zwischen Mann und Weib. Sicher ist vielmehr, daß die Frauen mit den Männern durch Gleichheit der Benennung verbunden sind, denn man redet ja von Diakonissen so gut wie von Diakonen, als sollten wir in diesen beiden Namen Gegenstücke finden zu den Leviten und Levitinnen.