Des Weines also, der, wie gesagt, lose Leute macht, und darum der guten Zucht und der Schweigsamkeit feind ist, sollen sich die Frauen um Gottes willen entweder ganz enthalten, wie sich heidnische Frauen desselben enthalten aus Furcht vor dem Ehebruch; oder aber sollen sie ihn mit Wasser mischen, was für den Durst wie für die Gesundheit zuträglich ist, und wodurch er seine schädliche Wirkung verliert. Dies wird, glaube ich, erreicht, wenn zu drei Teilen Wein ein Teil Wasser gemischt wird. Sehr schwierig aber ist es, sich zu hüten, daß man von dem vorgesetzten Wein nicht bis zur Sättigung trinke, wie dies der heilige Benediktus verlangt. Darum achten wir es für sicherer, wenn wir auch den Genuß bis zur Sättigung nicht verbieten, damit uns aus dem Verbot nicht eine neue Gefahr erwachse. Denn, wie wir schon wiederholt gesagt haben, nicht die Sättigung ist Sünde, sondern die Unmäßigkeit. Auch ist nichts dagegen einzuwenden, daß für Kranke gewürzte Weine bereitet werden, und daß sie ungemischten Wein bekommen. Doch im Konvent soll solcher nie getrunken werden, sondern allein von den Kranken.

Daß Brot aus reinem Weizenmehl gemacht werde, verbieten wir streng, vielmehr soll stets mindestens ein Dritteil gröberen Mehles darunter gemengt werden. Auch soll man das Brot nicht essen, solang es noch warm ist, sondern nur solches, das mindestens einen Tag alt ist. Die Fürsorge für die übrigen Nahrungsmittel soll die Äbtissin in der Weise treffen, daß sie mit dem, was billig und leicht zu haben ist, den Bedürfnissen des schwachen Geschlechts entgegenkommt. Denn wie thöricht wäre es, wenn wir bei andern Leuten kaufen wollten, was wir selber haben, und wenn wir draußen im Überfluß suchen wollten, was wir zu Hause zur Genüge haben! Wenn uns zu Gebote steht, was wir brauchen, warum sollten wir uns dann um das Überflüssige bemühen?

Zu dieser weisen Mäßigung werden wir nicht bloß durch menschliches Vorbild angehalten, sondern sogar durch dasjenige der Engel und des Herrn selbst, und wir sehen daraus, daß wir zur Befriedigung der Notdurft dieses Lebens nicht lange wählerisch sein sollen, was die Speisen anbelangt, sondern zufrieden sein mit dem, das da ist. So hat Abraham Fleisch zubereitet, und die Engel haben es gegessen, und als in der Wüste sich Fische vorfanden, hat Jesus damit das hungernde Volk gespeist. Daraus sehen wir deutlich, daß zwischen Fleisch und Fisch kein Unterschied zu machen und beides nicht zu verachten ist, und daß man das nehmen soll, woran keine Sünde hängt, was sich leicht und ohne große Umstände darbietet und am wenigsten kostet. Daher sagt auch Seneca, dieser große Freund der Armut und Enthaltsamkeit und unter allen Philosophen der größte Sittenlehrer: „Es ist unsere Aufgabe, der Natur gemäß zu leben. Der Natur zuwider ist es, seinen Körper zu quälen, kostenlose Reinlichkeit zu scheuen, den Schmutz aufzusuchen und Speisen zu sich zu nehmen, die nicht bloß einfach, sondern schlecht und ekelhaft sind. Wie es einerseits eine Üppigkeit ist, ausgesucht feine Dinge zu begehren, so ist es auch thöricht, sich bescheidene und leicht zu verschaffende Genüsse zu versagen. Mäßigkeit verlangt die Philosophie, nicht Kasteiung. Man kann auch eine geordnete Mäßigung walten lassen. Das ist die Art, die mir gefällt“. Daher auch Gregorius im 30. Buch seiner „Moralia“ lehrt, daß es für die Sitten der Menschen weniger auf die Beschaffenheit ihrer Nahrung als ihrer Gesinnung ankomme, und wo er die verschiedenen Gelüste des Gaumens unterscheidet, folgendes sagt: „Einmal verlangt man nach den ausgesuchtesten Speisen, ein andermal begehrt man das nächste Beste, aber gut zubereitet. Manchmal aber ist es etwas ganz Gewöhnliches, das man sich wünscht, und doch versündigt man sich dabei durch die unmäßige Gier, womit man danach trachtet“.

Das Volk, das aus Ägypten ausgeführt wurde, ist in der Wüste erlegen, weil es das Manna verschmähte und nach Fleisch verlangte, weil ihm dies schmackhafter erschien. Und Esau hat sein Erstgeburtsrecht verloren, weil er mit heißer Gier eine ganz gewöhnliche Speise, nämlich ein Linsengericht, begehrte; indem er sein Erstgeburtsrecht dafür drangab, hat er deutlich gezeigt, welch heftiges Verlangen er nach jener Speise hatte. Denn nicht an der Speise, sondern am Verlangen hängt die Sünde. Wir können die gewähltesten Speisen zu uns nehmen, ohne uns zu verschulden, und vielleicht die geringsten nicht ohne Gewissensbisse essen. Der eben erwähnte Esau hat durch ein elendes Linsengericht sein Erstgeburtsrecht verloren, Elias in der Wüste hat seine Tugend bewahrt, obwohl er Fleisch aß. Darum hat auch der alte Feind, wohl wissend, daß nicht die Speise selbst, sondern die Begierde danach die Ursache des Verderbens ist, den ersten Menschen nicht durch Fleisch, sondern durch einen Apfel in seine Gewalt gebracht, und den zweiten nicht mit Fleisch, sondern mit Brot versucht. Und so begehen wir oftmals die Sünde Adams, auch wenn wir geringe und gewöhnliche Kost zu uns nehmen.

Wir sollen also das zu unserer Nahrung wählen, was dem natürlichen Bedürfnis entspricht, nicht das, was unser Gelüste uns eingiebt. Unser Verlangen ist aber nach solchen Dingen weniger stark, von denen wir sehen, daß sie weniger kostbar und im Überfluß vorhanden sind und darum billig gekauft werden: wie dies bei der gewöhnlichen Fleischspeise der Fall ist, welche viel kräftiger ist als das Fleisch von Fischen, weniger kostet und leichter zuzubereiten ist.

Der Genuß von Fleisch und Wein liegt, wie die Ehe, in der Mitte zwischen gut und böse, d. h. diese Dinge werden für indifferent geachtet, wiewohl der eheliche Verkehr nicht ganz der Sünde bar ist, und der Wein mehr Gefahren in sich birgt als alle übrigen Nahrungsmittel. Aber wenn selbst der Wein, im rechten Maße genossen, dem gottgeweihten Stande nicht verboten wird, was brauchen wir dann von den anderen Nahrungsmitteln zu fürchten, wenn nur das richtige Maß auch bei ihrem Genuß nicht überschritten wird? Der heilige Benediktus sieht sich genötigt, bei einem Gegenstand, von dem er selbst sagt, daß er eigentlich für Mönche überhaupt nichts sei, in Rücksicht auf unsere Zeit, da die erste Liebe schon erkaltet ist, Zugeständnisse zu machen. Sollten wir also den Frauen nicht auch Freiheit lassen in Dingen, die ihnen bis jetzt überhaupt in keiner Regel verboten werden? Wenn die Bischöfe und Leiter der heiligen Kirche, wenn die Kleriker in ihren religiösen Gemeinschaften ohne Anstoß Fleisch essen dürfen, weil keine Regel sie bindet: wer wollte uns dann einen Vorwurf daraus machen, daß wir gegen die Frauen die gleiche Nachsicht üben, besonders da sie im übrigen größere Strenge bewahren? Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister, und es wäre eine große Thorheit, wenn man den Frauenklöstern versagen wollte, was den Mönchsklöstern erlaubt ist. Es ist schon genug, wenn die Frauen bei der sonstigen Strenge ihrer Regel, auch wenn sie in dem Einen Punkte des Fleischessens Freiheit haben, im übrigen nicht hinter der Frömmigkeit gläubiger Laien zurückbleiben, besonders da nach dem Zeugnis des Chrysostomus den Weltleuten nicht mehr erlaubt sein soll als den Mönchen, nur daß jene mit einer Frau leben dürfen. Auch der heilige Hieronymus, der den Stand der Weltgeistlichen nicht geringer achtet als den der Mönche, sagt: „Als ob nicht alles, was für die Mönche gilt, auch für die Weltgeistlichen zuträfe, die die Väter der Mönche sind“.

Wer wüßte auch nicht, daß es aller Vernunft widerstreitet, wenn man dem Schwachen die gleiche Last aufbürdet wie dem Starken, wenn man von Frauen dieselbe Abstinenz verlangt wie von Männern? Verlangt jemand hierüber außer dem Beweis, den die Natur selbst giebt, noch eine besondere Autorität, so möge er den heiligen Gregorius darüber hören. Dieser große Lenker und Lehrer der Kirche hat auch über diesen Gegenstand die übrigen Lehrer der Kirche genau unterwiesen und sagt im 24. Kapitel seines „Liber Pastoralis“ folgendes: „Anders sind die Männer zu ermahnen, anders die Frauen; jenen kann man Schweres zumuten, diesen nur Leichtes. Jene sollen sich in harter Übung bewähren, diese werden am besten durch leichte Lasten und durch sanften Zuspruch gewonnen. Denn was dem Starken eine leichte Sache ist, das dünkt dem Schwachen ein groß Ding“.

Freilich hat der Genuß von gewöhnlichem Fleisch weniger Reiz als das Fleisch von Fischen und Vögeln, die doch der heilige Benediktus auch nicht verbietet. Auch der Apostel unterscheidet mehrere Gattungen von Fleisch: „Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein anderes Fleisch ist der Menschen, ein anderes des Viehes, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel“. Und das Gesetz schreibt für das Opfer zwar das Fleisch vom Vieh und Vogel vor, nicht aber das von Fischen, damit niemand glaube, es sei vor Gott reiner, Fische zu essen als Fleisch. Fische sind auch für die Armen schwieriger zu beschaffen und teurer, denn es giebt weniger, und ihr Fleisch ist nicht so kräftig; also auf der einen Seite ist es teurer, auf der andern erfüllt es seinen Zweck weniger gut.

Indem wir also zugleich die Auslagen und die Natur der Menschen berücksichtigen, verbieten wir von Nahrungsmitteln überhaupt nichts, nur in allem das Übermaß. Wir setzen den Genuß von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln aber auf ein solches Maß herab, daß die Enthaltsamkeit der Nonnen, trotzdem ihnen alles erlaubt ist, dennoch sich mehr bewährt als die der Mönche, denen einiges verboten ist. Und so wollen wir den Genuß des Fleisches in der Weise beschränkt wissen, daß im Tag nicht mehr als einmal davon gegessen werden soll; auch darf nicht ein und dieselbe Person mehrere Fleischgerichte erhalten, Gemüse sollen nicht hinzugefügt werden und nicht öfters als dreimal in der Woche soll Fleisch erlaubt sein, nämlich am ersten, dritten und fünften Wochentage, wenn auch hohe Feste auf die andern Tage fallen. Denn je höher ein Fest ist, desto mehr soll es durch fromme Enthaltsamkeit gefeiert werden. Der berühmte Lehrer Gregorius von Nazianz ermahnt eindringlich dazu in seinem Buch: „Von der Lichtmesse oder den zweiten Epiphanien“, Kapitel III: „Den Festtag sollen wir feiern, nicht indem wir dem Bauche dienen, sondern indem wir uns freuen im Geist“. Derselbe sagt im 4. Kapitel des Buches „Über Pfingsten und den heiligen Geist“: „Und das ist unser Festtag: in die Schatzkammer der Seele etwas Dauerndes und Bleibendes sammeln, nicht was vorübergeht und verweht. Der Leib ist schon so sündhaft genug, er braucht keine reichlichere Nahrung; das wilde Tier würde durch üppigere Nahrung nur noch wilder und würde uns härter bedrängen“. Darum soll man ein Fest in geistlicher Weise feiern. Dieser Meinung ist auch der heilige Hieronymus, der Schüler des Gregor; er sagt in seinem Brief „Über die Annahme von Geschenken“: „Darum müssen wir uns sorgfältig davor hüten, daß wir den Festtag nicht durch reichliche Mahlzeit feiern, sondern durch freudige Erhebung des Geistes, denn es wäre gewiß verkehrt, durch Übersättigung einen Märtyrer ehren zu wollen, von dem wir wissen, daß er durch Fasten Gott wohlgefällig war“. Augustinus in seiner Schrift: „ Über das Heilmittel der Buße“ sagt: „Siehe die Tausende von Märtyrern an! Warum feiert man ihren Todestag so gern mit schnöden Gelagen, die reinen Sitten ihres Lebens aber will man nicht nachahmen?“

Wenn es kein Fleisch giebt, so gestatten wir zwei Gerichte von irgendwelchem Gemüse, und auch Fische können dazu gegeben werden. Kostbare Gewürze sollen nicht zugesetzt werden, sondern die Schwestern sollen mit den Erzeugnissen des Landes zufrieden sein. Früchte soll es nur abends zu essen geben. Für die, deren Gesundheit es verlangt, können jederzeit Kräuter oder Wurzeln oder Früchte oder sonstige Heilmittel aufgetragen werden.