AUS MAXIM GORKIS BIOGRAPHIE
(SEHR WICHTIG!)
Nach einem im 20. Lebensjahre infolge von Selbstquälerei (wer bin ich also denn wirklich?!) unternommenen Selbstmordversuch schrieb er: „Nachdem ich also die nötige Zeit krank gewesen war (Entwicklungserhöhungen durch Leiden!), fing ich einen Handel mit Äpfeln an.“
Und dann weiter: „Obzwar es mir nun recht gut ging, überfiel mich die Wanderlust, da ich mich, unter den intelligenten Menschen nicht ‚am Platze fühlte‘.“ Nein, er fühlte sich nicht am Platze, denn er war ein Genie, und die „intelligenten Menschen“ sind doch eigentlich nur Trotteln!
Ganz später schrieb er in einem Briefe an irgend jemand: „Vergessen Sie nicht der Gerechtigkeit halber zu erwähnen, daß mein erster geistiger Lehrer der Schiffskoch Smurij war, mein zweiter Herr Rechtsanwalt Lanin, mein dritter Kaljuschny, wie soll ich ihn betiteln, ein ‚Außenstehender‘, und erst als vierter der wirkliche Dichter Korolenko!“
DER SCHIGAN
Jeder Mensch hat irgend einen anderen schrecklichen, ihm eigentümlichen Schigán (fixe Idee). Auf diesen Rücksicht zu nehmen heißt man Freundschaft! Ich halte es für eine tiefere Freundschaft, dieses krankhafte wuchernde Gewebe der Seele zu zerstören! Aber das nennen sie dann „herzlos“. „Weshalb sagen Sie mir, daß die von mir wenn auch unglücklich verehrte Frau häßliche plumpe Hände habe?!“
„Um Sie zu heilen!“
„Aber das ist ja noch schrecklicher, eine Person mit so häßlichen plumpen Pratzen dennoch so gern haben zu müssen!?!“
GESELLIGKEIT
Wenn Leute „gesellig“ zusammenkommen, so muß irgend etwas vorgehen. Und zwar vor allem irgend etwas, was alle interessiert und niemanden direkt angeht! Also der Mord des Herzens! Oder man muß wichtigen Dingen ein Mäntelchen von Scherz und Ironie umhängen! Damit alle es vertragen. Wirkliche Leiden schont man zwar, Tod eines Nächsten, Verarmung, Krebserkrankung. Aber was sind wirkliche Leiden?! Sind nicht alle leidensvollen Leiden wirkliche?! Selbst wenn der Gerichtshof der Nebenmenschen sie nicht als solche anerkennt?! Einmal sagte mir jemand: „Mein Herr, es ist ein wenig langwierig, auf die endliche Anerkennung seiner unheilbaren Krankheit von Seiten seiner Freunde zu warten!“