Ewige Rache, die Gott, Schicksal und Natur am Philister nehmen: Sie verhindern ihn, Tag und Nacht Tonika zu suchen, Belebungs- und Erregungsmittel dieser Stoffwechselmaschine »Mensch«! Sie wollen immer glatt und beruhigt überall durchkommen; daher verlieren sie die einzige Kraft, die es für die menschliche Maschine gibt: den Stoff-wechsel!
Genialität
Das geniale Gehirn hat nie die kleinliche Todesangst des Philisters, sondern die absolute eines Bismarck, der wußte, daß bei einer verlorenen Schlacht von Königgrätz ihm nur mehr die Revolverkugel übrig bliebe. — Selbst Goethe hatte ein Jahr lang den geladenen Revolver auf seinem Nachtkastel liegen. Sich schützen?!? Vor dem Altwerden, vor dem Sterben?!? Wozu also?! Das Genie bringt sich rechtzeitig um, wenn es seine Mission erfüllt hat, oder sie nicht erfüllen konnte! Aber diese andern paktieren mit dem Leben, das dann doch keines ist und keinen Pakt zuläßt!
RESTAURANT PRODROMOS
Ein Restaurant ersten Ranges, von einem modernen Architekten unerhört einfach-primitiv, aber zugleich aristokratisch-apart eingerichtet. Es wirken in der Küche in idealer Gemeinschaft ein französischer Koch und ein junger Arzt, Diätetiker, Hygieniker, und der Dichter. Jede Speise ein unerhört leichtverdauliches Gedicht für den Verdauungsapparat! Lauter Speisen, die in drei bis fünf Stunden verdaut sind ohne Rückstände! Reiche Stoffwechselkranke, Nervenkranke, Magenkranke, Darmkranke würden hier ein absolut sicheres Asyl finden! Die internationale Püreemaschine würde auf jedem Tische stehen. Einige Umdrehungen, und jede Speise hat die Konsistenz erhalten von Erdäpfelpüree, Erbsenpüree! Schöne Zähne sind eine ästhetische Angelegenheit, aber man soll sie nicht gebrauchen! Den Speisen ihre Seele ausziehen, ihr Wertvollstes, und das Unverdauliche den Hunden, den Schweinen! Kein Essig, sondern Zitrone! Ganz, ganz neue Zusammenstellungen. Zum Beispiel durchpassiertes Kalbfleisch in Eiersauce. Pürees und Saucen in noch nie dagewesenen neuen Verbindungen! Man kann sich krank essen und bleibt dennoch gesund! Die Diätetik eine reale Romantik geworden! Erfüllbare Ideale! Die Zähne haben ihre miserable dilettantische Zerkleinerungstätigkeit einzustellen, sobald die internationale Püreemaschine ihre Dienste ideal ersetzt. Man putze sie und halte sie als Kunstwerkchen in Ehren! Der Edelmaschine darf man nicht Lasten aufbürden, sondern muß sie ihr zu ersparen suchen! Das Kindchen saugt an der Mutterbrust, und die müde und nervös gewordene Menschheit will desgleichen! Jeder komplizierten Maschine sucht man die Widerstände so viel als möglich zu ersparen; nur dieser unglückseligen und allerherrlichsten Maschine: »menschlicher Verdauungsapparat« nicht! Weshalb?! Gründet das Restaurant Prodromos! Es soll eine Oase werden. Nach jeder Mahlzeit kann man sich hinlegen auf ideale Ruhestühle, was riesig wichtig ist! Es gibt Zimmerchen, in denen man, wenn auch nur für zehn Minuten schlafen kann! Eine Regenerationsanstalt, als Restaurant geführt. Ein Gasthaussanatorium! Teuer, aber fast kostspielige Kuren ersetzend! Weshalb warten mit der Ausführung?! Gibt es denn keine Idealisten, die dennoch verdienen möchten?! Sind denn das Gegensätze, um Gotteswillen?! Was sollte denn reellerweise eigentlich belohnt werden auf Erden als der wohlverstandene Idealismus?!? Gründet das Restaurant Prodromos! Und gedenket meiner, des Urhebers!
DER BRAND
Um zwei Uhr morgens kam die Nachricht in die American Bar, daß ein Palais nächst dem Stadtpark in Flammen stehe. Wir ließen unsre wunderbaren Mischungen sofort stehen, fuhren im Fiaker rasend hin.
Auf dem Dache des fünfstöckigen Palastes leuchteten die weißen Magnesiumfackeln der Feuerwehr, und goldgelbe und rote Funken fielen zur Erde. Unten im Finstern der Straßen leuchteten die Lampen der Feuerwehrautomobile wie getreue Wächterhundeaugen! So besorgt-gutmütig!
Der Stadtpark war schwarz und einsam. Auf einer Bank saßen Zwei, Hand in Hand. Sie betrachteten den Brand des Palais, hörten die Feuerwehrsignale: »Wasser! Wasser! Wasser!«, und sie waren und sie blieben versunken in ihrem eigenen unentrinnbaren Schicksal, Hand in Hand.
Das Palais brannte, und man erließ für die obern Parteien bereits die Nachricht, sie möchten delogieren und herabkommen — — —.