Nur ein unerbittlicher Einblick in das Unglück, das so viele Wesen schuldlos trifft, kann die stumpfen, trägen Herzen der Menschen aufrütteln, zu Verbesserungen und wahrhaftiger Menschlichkeit! Ich füge ein Erlebnis hinzu, das zwar nicht daher paßt, aber immerhin einen Einblick gewährt in die in Vertiertheiten schlummernde Seele der heutigen Menschen. Einer meiner Bekannten, ein fanatisches Mitglied des Tierschutzvereines, stellte einmal einen brutalen Kutscher zur Rede, und als dies nur nachteilige Folgen für die armen Pferde hatte, machte er die Anzeige gegen den Kutscher. Vor der Verhandlung sagte der edle Rechtsanwalt Dr. Kr. meines Bekannten zu ihm: »Sagen Sie nicht allzu schroff ungünstig gegen den Kutscher aus, und verlangen Sie besonders nicht seine Bestrafung, weil er drohend gegen Sie den Peitschenstiel erhob. Es geht nur an den armen Pferden aus! ›Wart’s, Ludern, dös sollt’s mir büßen‹ — — —!«

In Deutschland ist das künstliche Stopfen, Mästen von Geflügel strengstens bei hoher Strafe verboten. »Friß, so lang’ du fressen kannst und magst!« ist ein humaneres Prinzip als: »Friß, ob du magst oder nicht — — —!«

Ein bisserl Anständigkeit, meine Herrschaften, man verlangt ja eh nicht viel! Die Gansleber wird auch schmackhaft nach sechs Monaten, laßt’s doch dem armen Vieh Zeit, seine Leber dem niederträchtigen, wollüstig-feigen Gaumen der Menschen zuliebe maßlos zu vergrößern! Man muß ja nicht mit den verbrecherischen Fingern und Federkielen nachhelfen; Tiere wie Menschen fressen sich ja eh zu Tode, wenn man sie nur laßt!

RÜCKKEHR VOM LANDE

Nun ist es wieder Herbst geworden, und die Graben-Kioske füllen sich zur Abendzeit mit wohlgepflegten und gebräunten Damen.

Man hat sich so viel zu erzählen, und man schweigt!

Man ist wieder in diesem Gefängnis »Großstadt«.

Man träumt von Licht und Luft und Wasser.

Man war ein anderer, besser, menschlicher, mit einem Wort »beweglicher«.

Nun geht man seinen Trab wie eh und je.