Die Dame war ganz einfach angekleidet, ganz in Schwarz. Sie hatte ungefähr die Gestalt der Kaiserin Elisabeth, ein bleiches Gesicht, aschblonde, fast hellgraue Haare.
Die freiwillige Pflegerin des Dichters begrüßte vor der Zimmertür die Ankommenden und warf einen flüchtigen, merkwürdigen Blick auf das unbeschreiblich schöne Perlenkollier an dem nackten Hals der fremden jungen Dame.
Darauf sagte einer der Freunde des Dichters: »Sie, Fräulein, der Dichter befindet sich immer in schweren ökonomischen Krisen. Wenn er dies herrliche Kollier an Ihnen sieht, wird es ihn bei seinen sowieso zerrütteten Nerven aufregen, daß es Künstler gibt, die anders bezahlt werden als er.«
»Oh,« sagte sie, »glauben Sie wirklich, daß ihn das aufregen wird? Dann will ich es ablegen.« Sie nestelte an der Goldschließe, nahm das Kollier in die hohle rechte Hand — — —.
»Sie sind eine liebe, feine Person!« sagte einer der Freunde. »So etwas Takt- und Geschmackvolles, diesen halb irrsinnigen Dichter so zu schonen! Ich muß wirklich sagen, ich könnte Ihnen die Hand dafür küssen.«
Die Dame trat als erste ruhig in das Krankenzimmer an das Bett des Dichters, nannte ihren Namen, gab ihm ihre wunderschöne rechte Hand und ließ ihm das darin befindliche Perlenkollier in der seinen.
Beim Abschied sagten die Freunde: »Jetzt ist keine Gefahr mehr. Jetzt können Sie Ihr herrliches Perlenkollier schon wieder anlegen.«
»Ich will es lieber in der Tasche behalten«, erwiderte ruhig die Dame — — —.
NOTIZ
Die Polizei hat die Vorführung einer Reihe von Filmen in den Kinematographentheatern, diesen modernsten, theoretisch wenigstens einzig möglichen Bildungsstätten für das Volk, verboten, weil sie Tiermißhandlungen (Ausreißen der Straußenfedern auf Farmen, Stopfen, Mästen der Gänse in Pistyan usw. usw.) selbstverständlich in derselben schamlos krassen Art zur Darstellung gebracht haben, in der sie aber tatsächlich ausgeübt werden. Die Entrüstungsrufe des Publikums sollen zu dieser polizeilichen Verordnung den Anstoß gegeben haben. Die Menschen sollen es also nicht erfahren, welche Schändlichkeiten aus Erwerbszwecken begangen werden. Das erinnert allzu sehr an die alte Anekdote, in der ein Millionär seinen Kammerdienern befahl: »Werft’s mir diesen alten unglücklichen Hausierer hinaus, er zerbrecht mir das Herz!«