Aber dieser eine kurze Augenblick ist echt, da der Tote sein Schlafzimmer verläßt, getragen von vier fremden Männern. Da sagt man nämlich wirklich Adieu und heult auf, und winselt und spürt es daß eigentlich alles, alles auf der Welt nicht dafürsteht — — —.

GESPRÄCH

„Wie ist das also, Peter, mit dem ›Geben‹, wie Sie immer behaupten, das seliger sein soll als das ›Nehmen‹?! Wie ist das?!“

„Das ist also so: wenn du an einem Bettler vorbeigehest, und du bist nur erfüllt, gehoben, durchwärmt von dem Gefühle, eine exzeptionelle Freude jemandem bereiten zu wollen, die in deiner Macht steht, sie zu spenden, und du schenkst ihm da eine Krone, während er dich ansieht, anstarrt, als hättest du dich nur in der Münzsorte vergriffen, du aber gehest, ihm zunickend, hinweg — — — das ist: Geben ist seliger denn nehmen! Wenn du aber denkst: „Pfui, diese Belästigung! Dieser alte zerfetzte, demütige Hund!“ Und du gibst ihm dennoch 20 Heller, so hochnäsig-widerwillig, dann, dann ist: Geben unseliger denn nehmen!“

„Peter, also da hast du — — — 20 Heller! Nein, ich habe nur Spaß gemacht. Ich will dir eine Krone schenken, hole sie dir heute nacht von meinem Nachtkästchen ab — — —.“

BILANZ

Es gibt Dinge, die unvergeßlich sind. Mit diesen hat man seine Seele zu beschäftigen und alle anderen Dinge zurücktreten, verblassen, verschwinden, also allmählich absterben zu lassen. Unvergeßlich ist das Vöslauer laue Schwimmbassin mit Lindengeruch. Dann der „Lackaboden“, Alm vor dem Schneeberg; die Bodenwiese mit den Kolröserln; Austern à discrétion, also sechs Dutzend; die kleine „Veilchenfeld“, die kleine Magda S., Evelyn H., Klara und Frantzi P. und Eva Leopold und Sonja Dunjersky. Dann Richard Wagner, Beethoven, Mozart, Bach, Grieg, Hugo Wolf, Richard Strauß, Johannes Brahms, Puccini, Massenet. Dann die „Topfen-Pastete“ und „Filet de Sole à la Morny“ und „Poires bonne femme“ und „pommes concierge“. Dann „Hamsun“, „Strindberg“, „Maeterlinck“, „Gerhart Hauptmann“. Dann „Van Dyck“ als „Des Grieux“ in „Manon“, „Maria Renard“ als „Lotte“ in „Werther“, „Hermann Winkelmann“, in allen seinen Rollen. Dann der „Semmering“, zu allen Jahreszeiten. Man muß „Buch führen“ über „reelle Werte“, im sonst leicht „passiv werdenden“ Dasein! Frauen haben eine perfide Geschicklichkeit, „unreelle Werte“, wie Schmuck, Pelz, Kleider, in ihr „Plus-Konto“ des Lebens frech einzutragen. Da müssen sie halt die ganze Bilanz plötzlich durch einen „feschen Offizier“ wieder ins Gleichgewicht bringen! Auch „unglückliche Spieler“ legen sich plötzlich eine „Geliebte“ zu, um sich es in ihrem falschen Buch-Konto zu verrechnen, daß sie „an ihr“ zugrunde gegangen sind!

Eine richtige, anständige, ehrliche „Bilanz des Daseins“ führen nur die Selbstmörder. Aber wie wenige, hélas, gibt es noch heutzutage?!

SEHR GEEHRTES FRÄULEIN!

Sie lieben also Albert!?