Berghotelterrasse aus Beton, mit deinen grellroten Tischen, Sesseln, ich war dein erster Morgengast, und ich begrüßte dich zärtlichst, du feuchte noch vom Morgentau! Im äußersten Ecke saß ich, oberhalb der Baumwipfel, und starrte in den weißen Mürztalnebel! Ich sah dich erstehen aus grauen nassen weichen Betonhaufen; ich wartete 21 Tage auf deine Marmorhärte; ich war dein erster Gast!

ERKENNTNIS

Alle Frauen rächen sich am Manne für irgendeine Unzulänglichkeit, die sie besitzen! Häßliche Fingernägel machen sie bereits boshaft und gereizt. Von einem „unidealen Busen“ gar nicht zu sprechen! Da begehren sie Tag und Nacht auf mit dem grausamen Schicksal, verzehren sich in Leid, und lassen sich’s nicht merken! Deshalb muß eigentlich jeder Mann milde sein, gerührt, gestimmt zum Verzeihen! Wenn eine die Genialität hätte, es zu sagen: „Ich bin unglücklich über mich selbst!“ Aber das wagen sie nicht, es sich selbst einzugestehen. Sie verlassen sich auf die Güte des Mannes, der sich „sekkieren, quälen, ungerecht behandeln“ läßt! Sie haben aber recht, denn seine Liebe ist von Gott eingegeben, und ihr Schicksal ist irdisch und ein bißchen vom Teufel! Er hat die göttliche Kraft zu leiden mitbekommen, sie die irdische Schwäche, glücklich sein zu wollen!

KLARA

13. Juli, vormittag. Sie ging, in weißem Kleide, langsam den Wiesenweg hinauf. Ich sah sie; und sah sie wieder nicht. Sie grüßte, und ein Gebüsch verdeckte sie. Dann sah ich sie wieder. Langsam sah ich ihr weißes Kleid und ihre blonden Haare dem Wald zuschweben. Ich stand gebannt und grüßte nicht. Sie wußte, wie mir zumut war. Sie grüßte noch einmal. Wie wenn man sagte: „Du bist der erste, der gebannt steht und es vergißt, zu grüßen — — —!“

Sie wußte dennoch nichts von ihrer heiligen, schrecklich-süßen Macht. Ich aber warf mich aufs Bett und weinte — — —. Dann kam sie zurück. Ich sah ihr weißes Kleid und ihre blonden Haare. Gebüsch verbarg sie, mochte sie entschwinden. Dann sah ich sie wieder. Ich verneigte mich. Sie ging vorüber; und wie eine Regenwolke kam es über die lichte Landschaft — — —.

EIN KOMTESSEN-BRIEF

Lieber Peter Altenberg,

weshalb sagen Sie mir das über die „göttliche Vollkommenheit meines Leibes“, den Sie unbedingt unter allen Hüllen nackt sehen?! Ich habe doch schon alle Untugenden, die unser Stand, unsere Sorgenlosigkeit, unsere Verwöhnung von früh bis abends, mit sich bringen ohne unser Hinzutun!? Jetzt kommt noch die Begeisterung eines Dichters hinzu, also eines Menschen, der nichts will als begeistert, berauscht, gerührt sein?! So ein Beschenker! Sie werden mich nicht eitel machen, Edler, ich werde nur denken: „Vielleicht verhilft es ihm zu einem Gedichte, das wieder anderen hilft, wenn sie es lesen!?“ Und dennoch habe ich mich abends in dem Stehspiegel angeschaut und gedacht: „Dichter wissen doch alles!“

MÄRCHEN DES LEBENS