Wir gingen auf der Fahrstraße den Berg hinan; wir sahen aus mehreren Schachten Rauch hervorsteigen. Tief unter unsern Füßen im Berge ging der Dampfwagen.
„Die sind hin wie des Juden Seel’!“ sagte mein Pate und meinte die Eisenbahn-Reisenden. „Die übermütigen Leut’ sind selber ins Grab gesprungen!“
Beim Gasthause auf dem Semmering war es völlig still; die großen Stallungen waren leer, die Tische in den Gastzimmern, die Pferdetröge an der Straße waren unbesetzt. Der Wirt, sonst der stolze Beherrscher dieser Straße, lud uns höflich zu einer Jause ein.
„Mir ist aller Appetit vergangen“, antwortete mein Pate, „gescheite Leut’ essen nicht viel, und ich bin heut’ um ein Stückel gescheiter worden“. Bei dem Monumente Karls VI., das wie ein kunstreiches Diadem den Bergpaß schmückt, standen wir still und sahen ins Österreicherland hinaus, das mit seinen Felsen und Schluchten und seiner unabsehbaren Ebene vor uns ausgebreitet lag. Und als wir dann abwärts stiegen, da sahen wir drüben in den wilden Schroffwänden unsern Eisenbahnzug gehen — klein wie eine Raupe — und über hohe Brücken, fürchterliche Abgründe setzen, an schwindelnden Hängen gleiten, bei einem Loch hinein, beim andern hinaus — ganz verwunderlich.
„’s ist auf der Welt ungleich, was heutzutag’ die Leut’ treiben“, murmelte mein Pate.
„Sie tun mit der Weltkugel kegelscheiben!“ sagte ein eben vorübergehender Handwerksbursche.
Als wir nach Mariaschutz kamen, war es schon dunkel.
Wir gingen in die Kirche, wo das rote Lämpchen brannte, und beteten.
Dann genossen wir beim Wirt ein kleines Nachtmahl und gingen an den Kammern der Stallmägde vorüber auf den Heuboden, um zu schlafen.
Wir lagen schon eine Weile. Ich konnte unter der Last der Eindrücke und unter der Stimmung des Fremdseins kein Auge schließen, vermutete jedoch, daß der Pate bereits süß schlummere; da tat dieser plötzlich den Mund auf und sagte: