Da lag er denn unter seiner Tanne, zerschlagen und hinfällig, und es war ihm sehr schlecht zu Mute. Ein uralter nordischer Waffensegen fiel ihm gerade jetzt ein, und er summte ihn vor sich hin:

„Sieg in Deine Hand! Sieg in Deinen Fuß!

Sieg in alle Deine Glieder gut!

Gott der heilige Herr segne Dich!

Wach und regiere über Dich!“

Aber viel Erquickung und Ermunterung zog er nicht heraus. Sehr kläglich war ihm zu Mute, und so lag er, mit beiden Händen unter dem Kopfe, bis die rote Abendsonne erst von den Stämmen, dann von den höchsten Wipfeln und zuletzt von den allerhöchsten Felsenkuppen sich verzog. Dann erst erhob er sich tief seufzend und wankte weiter bergan, durch die beginnende Nacht. Gegen elf Uhr Abends erreichte er Alberschwende.

In der Taube war natürlich ebenfalls Musik und Tanz, und der arme Sven sah schon von weitem die hellen Fenster und vernahm schaudernd die lustigen Jauchzer.

„Das ist schlimmer als der Angriff des Homburgers, des Prinzen mit dem silbernen Bein, bei Fehrbellin!“ murmelte er. „Der Faustschlag Seiner Exzellenz, des Herrn Generalfeldmarschalls Derfflinger an der Rathenower Bruck’ war nichts Geringes; aber — o du liebster Himmel, was wird sie sagen?!“

Die Tür des Wirtshauses zur Taube stand weit offen, und der Korporal stieg die Treppe, welche zu ihr emporführte, langsam und mit eingezogenen Schultern hinauf. Die Hausflur war augenblicklich leer, und da die Stubentür ebenfalls offen stand, so hinderte ihn nichts, geduckt und vorsichtig um die Ecke in das weite, trüb erleuchtete, niedere Gemach, in das kreischende, jubelnde Tanzgewirbel zu lugen. Er fuhr sofort zurück; denn als in diesem Moment die Reihen der Tanzenden sich lösten, da sah er sie — da sah er sie mit in die Hüften gestemmten Armen neben ihrem Schenktisch stehen, an demselbigen Tische, neben welchem er Anno 1647 nach dem Überfall am Fallenbach aus seiner Ohnmacht erwachte und sie, die Frau Fortunata Madlener, ebenfalls mit in die Seiten gestützten Armen vor sich stehen sah.

„Es ist nicht menschenmöglich“, stöhnte der Deserteur. „Selbst der tapfere Karl Gustavus, der Feldmarschall Wrangel, würde es nicht fertig bringen! Selbst der große Gustavus Adolfus, der streitbare Löwe aus Mitternacht, brächt’ es nicht zu stande, ihr jetzo unter die Augen zu treten!“