Wie wir, ich und das Mädchen, in der stillen, sternhellen Nacht so durch die Ödnis schritten, sagten wir Keines ein Wort. Schweigend gingen wir neben einander hin. Nur einmal flüsterte das Mädchen: »Laß her, Peter, ich will Dir das Buch tragen.«
»Das kannst nicht,« antwortete ich, »Du bist ja noch kleiner wie ich selber.«
Nach einem zweistündigen Gang sagte das Mädchen: »Dort ist schon das Licht.«
Wir sahen einen matten Schein, der aus dem Fenster des Meisenhauses kam. Als wir diesem schon sehr nahe waren, begegnete uns der Pfarrer, der dem Kranken die heiligen Sakramente gereicht hatte.
»Der Vater – wird er wieder gesund?« fragte das Mädchen kleinlaut.
»Ist noch nicht so alt,« sagte der Priester; »wie Gott will, Kinder, wie Gott will.«
Dann ging er davon. Wir traten in das Haus.
Das war klein, und nach der Art der Waldhütten standen die Familienstube und Schlafkammer gleich in der Küche. Am Herd in einem Eisenhaken stak ein brennender Kienspan, von dem die Stubendecke in einen Rauchschleier gehüllt war. Neben dem Herde auf Stroh lagen zwei kleine Knaben und schlummerten. Sie waren mir bekannt vom Walde her, wo wir oft mitsammen Schwämme und Beeren suchten und dabei unsere Herden verloren; sie waren noch um etliche Jahre jünger als ich. An der Ofenmauer saß das Weib des Sepp, hatte ein Kind an der Brust und sah mit großen Augen in die flackernde Flamme des Kienspans hinein. Und hinter dem Ofen, in der einzigen Bettstatt, die im Hause war, lag der Kranke. Er schlief; sein Gesicht war recht eingefallen, das grauende Haar und der Bart um's Kinn waren kurz geschnitten, so daß mir der ganze Kopf kleiner vorkam, als sonst, da ich den Sepp auf dem Kirchweg gesehen hatte. Die Lippen waren halb offen und blaß, durch dieselben zog ein lebhaftes Atmen.
Bei unserem Eintritt erhob sich das Weib leise, sagte eine Entschuldigung, daß sie mich aus dem Bette geplagt habe, und lud ein, daß ich mich an den Tisch setzen und die Eierspeise essen möge, die der Herr Pfarrer übrig gelassen hatte, und die noch auf dem Tische stand.
Bald saß ich auf demselben Fleck, den der geistliche Herr noch hatte warm gemacht, und jetzt aß ich mit derselben Gabel, die er hatte in den Mund geführt!