»Das nicht, Anna, das nicht,« murmelte er, »ein wenig später. Aber einen Schluck Wasser giebst mir, gelt?«

Nach dem Trinken sagte er: »So, das frisch' Wasser ist halt doch wohl gut. Gebt mir recht auf den Brunnen Obacht. Ja, und daß ich nicht vergeß', die schwarzen Hosen und das blau' Jöppel weißt, und draußen hinter der Thür, wo die Sägen hängen, lehnt das Hobelbrett, das leg' über den Schleifstock und die Hanselbank; für drei Tag' wird's wohl halten. Morgen früh, wenn der Holzjosel kommt, der hilft mich schon hinauslegen. Schau aber fein gut, daß die Katz' nicht dazu kommt; die Katzen gehen los und schmecken's gleich, wenn wo eine Leich' ist. Was unten bei der Pfarrkirche mit mir geschehen soll, das weißt schon selber. Meinen braunen Lodenrock und den breiten Hut schenk' den Armen. Dem Peter magst auch was geben, daß er heraufgegangen ist. Vielleicht ist er so gut und liest morgen beim Leichwachen was vor. Es wird ein schöner Tag sein morgen, aber geh' nicht zu weit fort von heim, es möcht' ein Unglück geschehen, wenn draußen in der Lauben das Licht brennt. – Nachher, Anna, such' da im Bettstroh nach; wirst einen alten Strumpf finden, sind etlich' Zwanziger drin.«

»Seppel, streng' Dich nicht so an im Reden,« schluchzte das Weib.

»Wohl, wohl, Anna – aber aussagen muß ich's doch. Jetzt werden wir wohl nicht mehr lang' beisammen sein. Wir haben uns zwanzig Jahre gehabt, Anna. Du bist mein Alles gewesen; kein Mensch kann Dir's vergelten, was Du mir gewesen bist. Das vergeß' ich Dir nicht im Tod und nicht im Himmel. Mich gefreut's nur, daß ich in der letzten Stund' noch was mit Dir reden kann, und daß ich gleichwohl so viel bei Verstand bin.«

»– Stirb doch nicht gar hart, Seppel,« hauchte das Weib und beugte sich über sein Antlitz.

»Nein,« antwortete er ruhig, »bei mir ist's so, wie bei meinem Vater: leicht gelebt und leicht gestorben. Sei nur auch Du so, und leg' Dir's nicht schwer. Wenn wir nun auch wieder jedes allein ankommen, zusammen gehören wir gleichwohl noch, und ich heb' Dir schon ein Platzel auf im Himmel, gleim (nahe) an meiner Seit', Anna, gleim an meiner Seit'. Nur das thu' um Gotteswillen, die Kinder zieh' gut auf.«

Die Kinder ruhten. Es war still, und mir war, als hörte ich irgendwo in der Stube ein leises Schnurren und Spinnen. –

Plötzlich rief der Sepp: »Anna, jetzt zünd' geschwind die Kerzen an!«

Das Weib rannte in der Stube herum und suchte nach Feuerzeug; und es brannte ja doch der Span. – »Jetzt hebt er an zu sterben!« wimmerte sie. Als aber die rote Wachskerze brannte, als sie ihm dieselbe in die Hand gab, als er den Wachsstock gelassen mit beiden Händen umfaßte und als sie das Weihwassergefäß vom Gesimse nahm, da wurde sie scheinbar ganz ruhig und betete laut: »Jesus, Maria, steht ihm bei! Ihr Heiligen Gottes, steht ihm bei in der höchsten Not, laßt seine Seele nicht verloren sein! Jesus, ich bete zu Deinem allerheiligsten Leiden! Maria, ich rufe Deine heiligen sieben Schmerzen an! Du, sein heiliger Schutzengel, wenn seine Seel' vom Leib muß scheiden, führ' sie ein zu den himmlischen Freuden!«

Und sie betete lange. Sie schluchzte und weinte nicht; nicht eine einzige Thräne stand in ihrem Auge, sie war ganz die ergebene Beterin, die Fürbitterin.