Das Weib zuckte zusammen, fuhr mit der Hand zu ihrem Herzen, sagte aber dann in ruhigem Tone: »Bist wieder schlechter, Seppel? Hast ja recht gut geschlafen.«
Er merkte es gleich, daß ihre Ruhe nicht echt war.
»Thu' Dich nicht gar so grämen, Weib,« sprach er, »auf der Welt ist's schon nicht anders. Weck' mir schön die Kinder auf, aber friedsam, daß sie nicht erschrecken.«
Die Häuslerin ging zum Strohlager, rüttelte mit bebender Hand am Schaub, und die Kleinen fuhren halb bewußtlos empor.
»Ich bitt' Dich gar schön, Anna, reiß mir die Kinder nicht so herum,« verwies der Kranke mit schwächerer Stimme, »und die kleine Martha laß schlafen, die versteht noch nichts.«
Ich blieb abseits am Tische sitzen, und mir war heiß in der Brust. Die Angehörigen versammelten sich um den Kranken und schluchzten.
»Seid Ihr nur ruhig,« sagte der Sepp zu seinen Kindern, »die Mutter wird Euch schon morgen länger schlafen lassen. Josefa, thu' Dir das Hemd über die Brust zusammen, sonst wird Dir kalt. Und jetzt – seid allweg schön brav und folgt der Mutter, und wenn Ihr groß seid, so steht ihr bei und verlaßt sie nicht. – Ich hab' gearbeitet meiner Tag mit Fleiß und Müh'; gleichwohl kann ich Euch weiter nichts hinterlassen, als dieses Haus und den kleinen Garten, und den Rainacker und den Schachen dazu. Wollt' Euch's teilen, so thut es brüderlich, aber besser ist's, Ihr haltet die Wirtschaft zusammen und thut hausen und thut bauen. Weiters mach' ich kein Testament, ich hab' Euch alle gleich lieb. Thut nicht ganz vergessen auf mich, und schickt mir dann und wann ein Vaterunser nach. – Und Euch, die zwei Buben, bitt' ich von Herzen: Hebt mir mit dem Wildern nicht an; das nimmt kein gutes End'. Gebt mir die Hand darauf. So. – Wenn halt Einer von Euch das Sägefeilen wollt' lernen; ich hab' mir damit viel Kreuzer dermacht (erworben); Werkzeug dazu ist da. Und sonst wißt Ihr schon, wenn Ihr am Rainacker die Erdäpfel anbaut, so setzt sie erst im Mai ein; 's ist wohl wahr, was mein Vater fort gesagt hat: Bei den Erdäpfeln heißt's: Baut mich an im April, komm' ich, wann ich will; baut mich an im Mai, komm' ich glei (gleich). – Thut Euch so Sprüchlein nur merken. – So, und jetzt geht wieder schlafen, Kinder, daß Euch doch nicht kalt wird, und gebt allzeit rechtschaffen Obacht auf Eure Gesundheit. Gesundheit ist das Beste. Geht nur schlafen, Kinder.«
Der Kranke schwieg und zerrte an der Decke.
»Frei zu viel reden thut er mir,« flüsterte das Weib gegen mich gewendet. Eine bei Schwerkranken plötzlich ausbrechende Redseligkeit ist eben auch kein gutes Zeichen.
Nun lag er, wie zusammengebrochen, auf dem Bette. Das Weib zündete die Sterbekerze an.