Auf diese Weise war mein Unternehmen gescheitert.
Nichtsdestoweniger haben wir das schneeweiße Zicklein geherzt. Es stieg mit den Vorderfüßchen an unsere Knie empor und guckte uns mit seinen großen, völlig eckigen Augen schelmisch an, als wollte es uns recht spotten, daß wir allmitsammen nicht so viel an Vermögen hatten, um es kaufen zu können. Es kicherte und blökte uns ordentlich aus, und dabei sahen wir die schneeweißen Zähnchen. Es war kaum drei Monate alt und hatte schon einen Bart; und ich und das Jakoberle waren über sieben Jahre hinaus und mußten uns aus grauen Baumflechten einen Bart ankleben, wenn wir einen haben wollten. Und selbst den fraß uns das Zicklein vom Gesichte herab.
Trotzdem hatten wir jedes das Vierfüßchen viel lieber, als uns untereinander. Und ich sann auf weitere Mittel, mit dem Tiere den Vetter zu beglücken.
Als aber mittags darauf der Vater vom Felde heimfuhr, umschwärmten wir ihn alle und zupften an seinen Kleidern.
»Vater,« sagte ich, »ist es wahr, daß die Morgenstunde Gold im Munde hat?«
Das war ja sein eigen Sprichwort, und so antwortete er rasch: »Freilich ist das wahr.«
»Vater!« riefen wir nun alle vier zugleich, »wie früh müssen wir all' Tag aufstehen, daß Ihr uns das weiße Zicklein gebt?«
Auf diese geschäftliche Wendung schien der Vater nicht gefaßt gewesen zu sein. Da er aber von unserem Vorhaben, dem Vetter Jok das Zicklein zuzueignen, hörte, da bedingte er ein halb Stündlein früher aufzustehen jeden Tag und trat uns das liebe Tierchen ab.
Das Zicklein gehörte uns. Wir beschlossen einstimmig, schon am nächsten Morgen noch vor des Vetters Aufstehzeit – und das war viel gesagt – aus dem Neste zu kriechen, das Zicklein mit einem roten Halsband zu versehen und es an's Bett des alten Jok zu führen, ehe dieser noch seinen langen, grauen Pelz, den er Winter und Sommer trug, auf den Leib brachte.
So unser heilig Vorhaben.