Wie das Zicklein starb.
Ein andermal drohte die birkene Liesel wieder.
Mein Vater hatte ein schneeweißes Zicklein, mein Vetter Jok hatte einen schneeweißen Kopf. Das Zicklein kaute gern an Halmen oder Erlzweigen; mein Vetter gern an einem kurzen Pfeifchen. Das Zicklein hatten wir, ich und meine noch jüngeren Geschwister, unsäglich lieb; den Vetter Jok auch. So kamen wir auf den Gedanken: wir sollten das Zicklein und den Vetter zusammenthun.
Da war's im Heumonat, daß ich eines sonnenfreudigen Tages all' meine Geschwister hinauslockte auf den Krautacker und daselbst die Frage an sie that: »Wer von Euch hat einen Hut, der kein Loch hat?«
Sie untersuchten ihre Hüte und Hauben, aber durch alle schien die Sonne und machte im Schatten auf dem Erdboden einen oder ein paar lichte Punkte. Nur Jakoberle's Hut war ohne Arg; den nahm ich also in die Hand und sagte: »Der Vetter heißt Jok, und morgen ist der Jokopitag, und jetzt, was geben wir ihm zum Bindband (Angebinde)? Das weiße Zicklein.«
»Das weiße Zicklein gehört dem Vater!« rief das kleine Schwesterchen Plonele, empört über ein so eigenmächtiges Vorhaben.
»Desweg ist es ja, daß ich Euch den Hut hinhalte,« sagte ich.
»Du, Jakoberle, hast gestern dem Knierutscher-Sepp Dein Kinigl (Kaninchen) verkauft; Du, Plonele, hast von deinem Göden drei Groschen zum Taufpfennig gekriegt; Dir, Mirzerle, hat vor zwei Tagen der Vater ein Haltergeld geschenkt. Schaut, ich leg' meine ersparten fünf Kreuzer hinein, und wir müssen zusammenthun, daß wir dem Vater das Zicklein abkaufen mögen; und das schenken wir morgen dem Vetter. Nu, jetzt halt' ich schon her!«
Sie guckten eine Weile so drein, dann huben sie in ihren Taschen zu suchen an. Da sagte das Plonele: »Mein Geld hat die Mutter!« und das Mirzerle rief erschrocken: »Das meine weiß ich nicht!« und das Jakoberle starrte auf den Boden und murmelte: »Mein Sack hat ein Loch.«