Aber weil denn mein Laib gar so kugelrund war, wie nicht leicht etwas Runderes mehr zu finden ist, so ließ ich ihn los über die Lehne, lief ihm behende vor und fing ihn wieder auf.

War ein herzlich lustiges Spiel das, und ich hätte mögen all' meine Geschwister herbeirufen, daß sie es sehen und mitmachen könnten. – Wie ich nun aber so in meiner Freude die Lehne auf- und abhüpfe, spielt mir mein Brotlaib jählings den Streich und huscht mir wie der Wind zwischen den Beinen durch und davon. Er eilt und hüpft hinab, viel schneller wie ein Reh vor dem Jagdhunde – er fährt über den Hang, setzt hoch über den Rain in die Thalweide hinab, wo er meinen Augen entschwindet.

Bin dagestanden wie ein Klotz, und hab' gemeint, ich müßt umfallen vor Schreck und auch hinabkugeln gegen das Thal. Ich ging eine Weile hin und her, auf und ab, und da ich den Laib nirgends sah, schlich ich kopfhängerig davon und ins Haus der Knierutscherin.

Da brannte freilich ein schönes großes Feuer auf dem Herde.

»Was willst denn, Peterle?« fragte die Knierutscherin freundlich.

»Bei uns,« stotterte ich, »ist das Feuer ausgangen, wir mögen uns nichts kochen, und so läßt meine Mutter schön bitten um ein Haferl Glut, und sie thät es schon fleißig wieder zurückstellen.«

»Ihr Närrlein, Ihr, wer wird denn so ein paar Kohlen zurückstellen!« rief die Knierutscherin und schürte mit der Feuerzange Glut in einen alten Topf; »da seh', ich laß Deiner Mutter sagen, sie soll nur schön anheizen und Dir einen recht guten Sterz kochen. Aber schau, Peterle, daß Dir der Wind nicht hineinbläst, sonst trägt er die Funken auf das Dach hinauf. So, jetzt geh' nur in Gottesnamen!«

So gütig war sie mit mir, und ich hatte ihr den Brotlaib verscherzt. Deß drückt mich das Gewissen heute noch hart.

Als ich endlich mit dem Feuertopfe zurück gegen unser Haus kam, war ich höchlich überrascht, denn da sah ich aus dem Rauchfange bereits einen blauen Dunst hervorsteigen.

»Dich soll man um den Tod schicken und nicht um Feuer!« rief die Mutter, als ich eintrat; dabei wirtete sie um das lustige Herdfeuer herum und sah mich gar nicht an. Meine kaum mehr knisternden Kohlen waren so armselig gegen dieses Feuer; ich stellte den Topf betrübt in einen Winkel des Herdes und schlich davon. Ich war viel zu lange ausgewesen; da war zum Glück der Vetter Jok von der Thalweide heimgekommen, und der hatte ein Brennglas, das er in der Sonne über einen Zunder hielt, bis derselbe glimmte. Und jetzt war mir die verlästerte Sonne doch noch zuvorgekommen mit dem Suppenfeuer. Ich war sehr beschämt und vermag es heute noch nicht, der Wohlthäterin offen in das Angesicht zu blicken.