Ich schlich auf den Hausanger. Dort sah ich den Vetter kauern in seinem langen, grauen, rotverblümten Pelz und mit seinem weißen Haupt. Und als ich näher kam, da sah ich, warum er hier so kauerte. Das schneeweiße Zicklein lag vor ihm und streckte seinen Kopf und seine Füße von sich, und der Vetter Jok zog ihm die Haut ab.
Sogleich hub ich laut zu weinen an. Der Vetter erhob sich, nahm mich bei der Hand und sagte:
»Da liegt es und schaut Dich an!«
Und das Zicklein starrte mir mit seinen verglasten Augen wirklich schnurgerade in das Gesicht. Und doch war es tot.
»Peterle!« lispelte der Vetter ernsthaft, »die Mutter hat der Knierutscherin einen Brotlaib geschickt.«
»Ja,« schluchzte ich, »und der ist mir davongegangen, hinab über die Lehnten.«
»Weil Du's eingestehst, Bübel,« sagte der Vetter Jok, »so will ich die Sach' schon machen, daß Dir nichts geschieht. Ich hab' zu der Mutter gesagt, ein Stein oder so was wär' herabgefahren und hätt' das Zicklein erschlagen. Hab' mir's im Geheim gleich gedacht, das Peterle steckt dahinter. Dein Brotlaib ist schier in den Lüften dahergekommen nieder über den hohen Rain, an mir vorbei, dem Zicklein zu, hat es just am Kopf getroffen – ist das Dingelchen hingetorkelt und gleich maustot gewesen. – Aber – fürcht' Dich nicht, es bleibt beim Stein. Mit der Knierutscherin werd' ich's auch abmachen, und jetzt sei still, Bübel, und zerr' mir das Gesicht nicht so garstig auseinander. Auf die Nacht essen wir das Tierlein, und die Mutter kocht uns eine Krennsuppe dazu.«
– So ist das Zicklein gestorben. Meine Geschwister erzählten mir, ein böser, böser Stein habe es erschlagen.
Die Mutter hatte mir zu Liebe meine Kohlen zum Herdfeuer geschüttet, und bei diesem Feuer wurde das Zicklein gebraten.