Auf der Stelle wendete sich das Glück, und alles Brot und Geld wäre in den Hut des Natzelein geflogen, da erhob ein Mann, der mitten unter den Wallfahrern stand, das Wort: »Schaut einmal den neidischen Schlingel an! Ihr seid beide nicht so arm, als daß Ihr ohne unser Brot verhungern müßtet, und auch nicht so reich, als daß wir Euch die kleinen Gaben versagen wollten. Ihr seid Waldbauern-Kinder, aber ich gebe meinen Sechser diesmal dem da, dessen Vater vier Ochsen hat!«
Mein Lebtag vergeß' ich's nimmer, wie jetzt die Batzen in mein Häublein klangen – hell zu Dutzenden, und ich konnte nachgerade nicht schnell genug die »Vergeltsgott« sagen, daß auf jeden eins kam. Und da dieser wundersame Hagel, wie ich ihn noch nie gesehen hatte, gar nicht wollte aufhören, konnte ich die Lust in meinem Herzen nimmer verhalten, in ein helles Wiehern und Lachen brach ich aus; das Natzelein aber schleuderte seine fast leer gebliebene Haube mitten in die Straße und schoß wütend in den Wald hinein.
Mit Gelächter zog die Kreuzschar ab. Und ich hub an, meine Schätze zu zählen; in der Kappe und um dieselbe, im Sand und auf dem Moos und im Heidekraut lagen die Kreuzer und Groschen und Sechser zerstreut. Und als ich sie alle versammelt hatte, wollte ich wohl verzichten auf alle weiteren Wallfahrertruppen, die heute noch kommen konnten, wollte schnurstracks heim zu meinen Eltern laufen, um ihnen das unermeßliche Glück zu verkünden. Da bin ich plötzlich angepackt von rückwärts, zu Boden geworfen, und auf meiner Brust reitet das Natzelein. Mit seinen strammen Händen preßt er meine Arme tief in das Heidekraut hinein, und so grinst er mir in's Gesicht.
Stärker bin ich nicht, wie er, dachte ich bei mir, wenn ich auch gescheiter nicht bin, so ist's um mich gefehlt.
»Du!« murmelte das Bürschlein zwischen den Zähnen hervor, »gieb mir die Hälfte vom Geld!«
»Nein,« sage ich trocken.
»So nehm' ich mir's selber.«
»Dann spring' ich auf.«
»Aber ich laß' Dich nicht los!«
»Dann kannst Du das Geld nicht nehmen.«