»Ich setz' Dir meine Knie auf die Gurgel!«

»Ich laß' mich umbringen.«

Zum Glück hallte jetzt der Gesang einer neuen Kreuzschar. Wir beide sprangen auf, stürzten zur Straße hin und lallten unser Gebet.

Das von den vielen Abenteuern an der Straße nur als einzig Stücklein.

Und wenn das Tagwerk vorbei, so versammelten wir Kinder uns auf der Au, wo die Schafe noch grasten, und tauschten unsere Gaben um, wie sie jedem eben entsprachen. Geld war stets der gesuchteste Artikel; nur die Kinder armer Kleinhäusler und Köhlersleute gaben feine Leckerbissen und Kreuzerchen für ein schwarzes Stück Brot, wenn es nur groß war.

Am fünften Tage kehrten die Scharen stets auf demselben Wege wieder zurück. Und jeder von den Wallfahrern hatte an seiner Brust einen oder mehrere Rosenkränze hängen oder Amulette, Frauenbildchen und funkelnde Kreuzlein und Herzen. Die Mädchen trugen rote und grüne Krönlein von Wachs auf ihrem Haupte. Die Bündel auf den Rücken hatten sich sehr bedeutend verkleinert, und die Brote, die wir bekamen, waren hart, und Geldstücke sprangen spärlich hervor aus den Taschen.

Doch lohnte es sich des Hockens immer noch, und die Erwartung der Gabe war mindestens so anziehend, als die Gabe selbst.

Einmal, ich war schon an die zehn Jahre alt geworden, kniete ich ganz allein am Stamme eines Kruzifixes, und recht zungenfertig im Vaterunserhersagen, wie ich endlich geworden war, kehrte ich alle Vorteile des Absammlers heraus und hoffte reichlichen Gewinn. Da kam eine Kreuzschar; ein paar Brötchen wurden mir zugeworfen, und sie war vorüber. Nur ein schon betagter, gutmütig aussehender Mann war zurückgeblieben, schritt ganz nahe an mich heran, neigte ein wenig sein Haupt zu mir nieder und sagte: »Bettelbub'!« Dann ging er den anderen nach.

Mir war das halbe Vaterunser im Mund stecken geblieben. Ich glotzte eine Weile um mich, dann stand ich langsam auf und schlich von dannen.

Das war mein letztes Hocken gewesen an unserer Waldstraße.