Es war kalt, ich fröstelte vor dem Winter und vor dem Weibe, das meine Gastfrau war; aber noch ehe ich mich ins Nest verkroch, machte ich mit Neugierde die Thür des Kirchleins auf. Eine Maus huschte heraus, die hatte eben an dem goldpapierenen Altare und der pappenen Hand des heiligen Josef ihr Nachtmahl gehalten. Es waren Heilige und Englein da und bunte Fähnlein und Kränzlein – ein lieblich Spiel. Ich meinte, das sei gewiß der alten Drachenbinderin ihre Pfarrkirche, weil das Weiblein doch schon viel zu mühselig, um nach Stanz zum Gottesdienst zu wandern. Ich betete vor dem Kirchlein mein Abendgebet, worin ich den lieben Herrgott bat, mich in dieser Nacht recht zu beschützen; dann löschte ich den Span aus, daß er nicht zu den Turmfenstern hineinbrennen konnte und legte mich hernach in des lieben Gottes Namen auf das Heu. – Mir kam es vor, als wäre ich losgerissen von mir selber und ein gelehrter Schreiber in einem fernen kalten Hause, während der wahrhaftige Waldbauernbub gewiß daheim in dem warmen Nestlein schlummere. Als ich endlich im Einschlafen war, hörte ich drinnen in der Stube wieder das kurz ausgestoßene Jauchzen und bald darauf das heftige Lachen.
Was ergötzt sie denn so sehr, und wen lacht sie aus? – Ich fürchtete mich und sann auf Flucht.
Ein Standbrett wäre doch leicht ausgehoben – aber der Schnee!
Erst gegen Morgen schlief ich ein und träumte und träumte von einer roten Maus, die allen Heiligen der Kirche die rechte Hand abgebissen habe. Und zum Turmfenster sah mein Vater mit den eingeseiften schiefen Backen heraus, und er hielt einen brennenden Span im Mund; ich schluchzte und kicherte zugleich und hatte heiße Angst.
Als ich endlich erwachte, meinte ich, ich wäre in einem Käfig mit silbernen Spangen, so strahlte das weiße Tageslicht durch die aufrechten Bretterfugen. Und als ich hinausging vor die Thür des Hauses, da staunte ich, wie eng die Schlucht und wie fremd und hoch und winterlich die Berge waren.
Im Hause schrie das Kind und jauchzte wieder die Drachenbinderin.
Bei der Frühsuppe war auch mein Gaul wieder da; aber er sagte schier kein Wort, er sah nur auf sein Essen, und als dieses gar war, stand er auf, setzte seinen großmächtigen Hut auf und ging gegen Stanz hinaus zur Kirche.
Als das Weib das Kind beruhigt, die Hühner gefüttert und andere Dinge des Hauses gethan hatte, schob es den Holzriegel vor die äußere Thür, ging in die Kammer und hub mit den kleinen Glocken des Kirchleins zu läuten an.
Dann entzündete sie zwei Kerzen, die am Altare standen, und dann that sie ein Gebet, wie ich meiner Tage kein ergreifenderes gehört habe.
Sie kniete vor dem Kirchlein, streckte die Hände aus und murmelte: