Mir fuhr's ins Herz; ich hielt das für einen Vorwurf, daß ich kein Schreibzeug bei mir habe.
»Wirst mich rechtschaffen auslachen, Waldbauernbub!« lispelte die Alte, »aber thu' ja nichts Schlechtes von mir denken; ich kann halt nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich bin schon gar so viel ein mühseliger Mensch.«
Jetzt verstand ich vielleicht: das arme Weib schämte sich, daß es den Spaten nicht mehr handhaben konnte und daß dieser also rostig geworden.
Ich suchte mir am Herd ein mildes Stück Kohle – die Kiefer ist so gut und leiht mir die Feder, daß ich das Testament, oder was es sein wird, der alten Drachenbinderin vermag aufzuschreiben.
Als also der graufarbige Schrank offen stand und ich bereit war, auf die Worte des Weibes zu hören und sie zu verzeichnen, daß sie nach vielen Jahren dem Enkel eine Botschaft seien – da that die Alte neben mir plötzlich ein helles Aufjauchzen. Eilig wendete sie sich seitab, jauchzte zwei- und dreimal und brach zuletzt in ein heiseres Lachen aus.
Ich zerrieb in der Angst die Kohle zwischen meinen Fingern und schielte nach der Thür.
Als das Weib eine Weile gelacht hatte, war es still, that einen tiefen Atemzug, trocknete sich den Schweiß, wendete sich zu mir und sagte: »So schreib. Hoch werden wir nicht zählen, fang' aber doch an in der oberen Eck'.«
Ich legte die Hand auf die oberste Ecke des Deckbrettes.
Hierauf sprach das Weib folgende Worte: »Eins und eins ist Gott allein. – Das, Du Kind meines Kindes, ist Dein Eigen.«
Ich schrieb die Worte auf das Holz.