»Wenn's eins im Haus gethan hat – niemand anderer als der Hiasel!«
Als der Junge dieses Wort gehört hatte, sprang er vom Baum mit einem kecken Schwunge über die Äste hinweg auf den Erdboden. Bald war er von den Leuten umringt. Der Toni hatte seine Fassungskraft wieder erlangt, er faßte daher den Hiasel am Arm und fragte, wo er das Geld habe!
Der Bursche war im Gesicht röter als die reifste Kirsche und sagte, er wisse von keinem Gelde.
Das Leugnen würde ihm nichts nutzen. Man wisse bestimmt, daß er die Thaler genommen habe!
Auf eine solche Anschuldigung ist der Bursche – überhaupt ungewandt im Reden, aber gewohnt, herrischen Aussprüchen sich zu fügen – ganz stumm geworden. Er stand da wie ein Stück Holz und starrte den Ankläger schier seelenlos an.
»Wenn Du's willig sagst, wo mein Geld ist,« sprach der Toni in milder, fast bittender Weise, »so geschieht Dir nichts; ich lege beim Waldbauer ein Gebitt ein, daß er Dich frei laufen laßt. Wenn Du aber leugnest, so schlage ich Dich tot!«
Und ich? Als ich merkte, welch schreckbare Wendung mein »Spaß« zu nehmen begann, und daß die Sache jetzt gar nicht einmal wie ein Spaß aussah, und als ich eine Geisterstimme hörte: das, was Du gethan, war Diebstahl! – da war wohl mein erster Gedanke: Allsogleich sagen, Du hast das Geld hinter der Gewandtruhe unter den Holzsparren gesteckt. – Aber sehr rasch rief eine andere Stimme: Das wäre zu gefährlich! Siehe, jetzt reißt er schon die Heckenrute ab, die kriegst Du, sobald Du das Wort sagst! Denn das Gesicht des alten Knechtes war ganz schreckbar anzusehen, die Wut, die Ratlosigkeit und den Jammer habe ich in meinem Leben nirgends so scharf ausgedrückt gefunden, als damals auf dem Angesichte des Toni. Da gab's nichts zu lachen! Wohl totenblaß mag ich gewesen sein, als ich mich hinter den Kirschbaumstamm schlich, dann plötzlich Kehrt machte, ins Haus eilte, ins Dachgelaß hinauf, die unselige Thalerbüchse aus ihrem Versteck holte und in die sperrangelweit offene Gewandtruhe des alten Knechtes warf.
Als ich hernach wieder zum Kirschbaum zurückgekommen war, lagen von der Heckenrute nur mehr die weißen Splitter umher auf dem grünen Rasen; die Leute verzogen sich grollend und scheltend, und den Waldweg entlang wankte der Bursche mit zerrauftem Haar.
Der Knecht wimmerte im Hause umher, der Vater trat zu mir und sagte, ich hätte nun gesehen, wohin Unehrlichkeit führe; den Hiasel habe er verjagt, und ich solle nun wieder auf den Kirschbaum steigen.