»Das Geld ist schon zurückgegeben,« bemerkte ich gefaßter.

»Das Geld ist Mist,« sagte der Stegleitner, »die Ehre giebst zurück. – Mein Kind!« fuhr er fort und richtete mich mit seiner Hand auf, »schau, dort oben heben jetzt die Sternlein an zu leuchten. Sie schauen nieder auf Dich, wenn Du bei der Thür eintrittst in Dein Vaterhaus, sie sehen, was Du thun wirst und was lassen – und sie brennen fort, bis zum jüngsten Gericht!«

Die Worte waren ruhig, fast leise gesprochen, und doch war mir, als bebte vor ihnen der Erdboden unter meinen Füßen.

Der Stegleitner blieb mit seinem Gefährte noch stehen bei dem roten Kreuz; ich that einen kurzen Blick auf den Schläfer, und war mir, als sähe ich das Bild eines Heiligen. Dann ging ich heimwärts; ging und lief und ahnte Gespenster, die mir folgten.

Als ich gegen unser Haus kam, hörte ich schon von weitem die Stimme meiner Mutter, die meinen Namen rief.

»Was das für ein Tag ist!« klagte sie, »Geld und Kinder werden gestohlen, da müssen doch rein Zigeuner im Land sein!«

Aber Geld und Kind hatten sich nun glücklich wieder gefunden, und in der Stube kniete der Vater am großen Tische, knieten die anderen Leute an den Wandbänken herum, und sie beteten laut und gemeinstimmig den üblichen Samstagsrosenkranz. Mir war wohl und weh. Ich kniete zum alten Knecht Anton – recht nahe an seine Seite hin – und begann laut mitzubeten. Sie wiederholten immer wieder das Vaterunser und das Ave Maria, und ich stimmte in den surrenden Ton mit ein und sagte fortwährend: »Lieber Knecht, vergieb mir meine Schulden, ich habe Dir das Geld gestohlen! Lieber Knecht, vergieb mir meine Schulden, ich habe Dir das Geld gestohlen!«

Weil der Toni entweder stark schläfrig war, oder weil er während des Rosenkranzes in Gedanken an die wiedergefundene Thalerbüchse schwelgte, so währte es ziemlich lang, bis ihm mein wunderlicher Text auffiel. Endlich huben sich seine Stirnhaut und sein Ohrläppchen an zu bewegen, er wendete sachte sein entsetztes Gesicht und schrie in die Stube hinein, man solle still sein und den kleinen Buben allein weiterbeten lassen.

Und als von solcher Unterbrechung überrascht alles still war, duckte ich mich weinend in den Wandwinkel und wimmerte laut: »Ich habe das Geld genommen!«

Der Rosenkranz war für heute aus. Die Begebenheiten spitzten sich nun rasch und scharf einem herben Ende zu, welches Ende jedoch durch den Umstand, daß der Hiasel geborgen und von seiner Ehrenrettung bereits durch den Stegleitner Kenntnis haben mußte, bedeutend gemildert worden ist.