Von diesem verhängnisvollen Tage an ist der Thalerbüchsen-Toni nicht mehr lange bei uns geblieben. Aber zum Abschiede nahm er mich an seine Gewandtruhe. Dort öffnete er gravitätisch die Büchse und schenkte mir daraus ein funkelndes Thalerlein als – Finderlohn.
Nach Jahren, als der Toni mühselig und krank geworden war, wollte er mit seinem Silberschatze eine »wunderthätige Kapelle« stiften, was ihm aber der Pfarrer entschieden mißriet. Hingegen ward ihm nahe gelegt, ob er nicht einem braven Bauernburschen, dem dieser Silberlinge wegen einmal Unrecht geschehen, ein kleines Angedenken hinterlassen wolle?
Aber der Hiasel war nicht im Lande. Er war lange im Stegleitnerhofe gewesen, und man hatte schon davon gemunkelt, daß er dort die hübsche Haustochter heiraten werde – da wurde die Gegend plötzlich geräumt. Alle jungen, kräftigen Männer mußten fort. Es war die Zeit, in welcher nach dem Sprichwort die Weibsleute um jeden Stuhl rauften, auf dem einmal ein Mannsbild gesessen. – Wie die Meereshochflut, die den Damm zerreißt, so brach der Feind ins Vaterland herein. O, laßt mich schweigen von den Ereignissen jener Tage, sie waren furchtbar groß. Der Sturm war bald vorüber; viele Männer kehrten heim, viele blieben auf ewig aus. Der Hiasel kam mit einem durchschossenen Fuß zurück. Bei Königgrätz war's gewesen.
»Armer Bursch,« so begrüßte der alte Stegleitner den Heimkehrenden, »jetzt bist ein zweitesmal unschuldigerweis geschlagen worden.«
»Ich trag's,« antwortete der Hiasel, »mir ist's nur ihretwegen hart!«
»Was ihretwegen!« sagte der Bauer, »ihre Ahndl, meine Mutter selig, hat auch einen hinkenden Mann gehabt. Dirndel, geh her! Schau, der Krumme kann Dir nicht so leicht davonlaufen. Der lieb' Herrgott geb' seinen Segen dazu!«
Jetzt ist die Geschichte aus. Heute ist der Hiasel angesehener Stegleitner und sein Weib vergilt ihm – so viel mir bekannt ist – hundertfach manch erlittene Unbill.
Der alte Thalerbüchsen-Toni ist erst vor wenigen Jahren gestorben. Der größte Teil seiner Münzen ging auf das Begräbnis, etliche Stücke nahm er mit in seinen Sarg, darunter das mit dem wahrhaftigen Bildnisse der Mutter Gottes. Da ist's wohl kein Wunder, daß der Alte im Tode ein so wohlgemutes, fast schmunzelndes Gesicht machte und im Grabe schmunzelnd zu Asche zerfallen wird – bei den Thalern.