„Ja,“ rief nun der Bursche, „ich will schon helfen.“ Er brach einen Weidenzweig. „Mit dem Stock wird das Vieh nur wild, Hochweidhofer.“
Nun der Stier sah, es wären ihrer Zwei, änderte er sein Verhalten, ging ruhig durch die Thorschranke und zwischen den beiden Männern behäbig einher.
„Bist Du vom obern Gäu, daß Du mich kennst?“ fragte jetzt der Bauer.
„Nein,“ antwortete der Bursche, „den Hochweidhofer kennt man auch im untern Gäu.“
Da schmunzelte der Andere. Der Bauer von der hohen Weid war eigentlich ein Großhirt. An Feldfrüchten nur spärlich Halme wuchsen auf den Höhen des Rochusberges; aber ein paar hundert Stück Vieh hatten jahraus jahrein ihr gutes Fortkommen auf den fetten Weiden und sonnigen Almen. Nur wurde es, rein wirthschaftlich genommen – und der Hochweidhofer nahm es immer so – zuweilen nothwendig, daß Blut aus den unteren Gegenden in das Rindvieh kam, und darum war der Bauer auch heute herabgestiegen, um einen gesunden und kräftigen Zuchtstier heimzuführen. Er hatte einen solchen im Thale gekauft und dabei geglaubt, es würde auch so ein Rind vor dem Hochweidhofer etwas mehr Respect haben, als vor anderen Leuten; jedoch der Stier bedeutete nur zu bald, daß er weder auf Geld, noch auf Rang sehe; er benahm sich sehr störrig, und als sie an die Wegschranke kamen, die den untern Gäu von dem obern trennt, weigerte sich der Schwarze, wie wir sahen, entschieden, sein Vaterland zu verlassen.
Nun der Zweite da war, folgte er willig und den Bauern wurmte es nicht wenig, daß das Thier sich erst durch die Gegenwart eines stockfremden Jungen veranlaßt fand, zu gehorchen.
„Wo willst Du eigentlich hin und was willst Du verrichten?“ fragte der Bauer den neuen Gefährten.
„Ich helf’ dem Hochweidhofer den Stier treiben,“ war die Antwort.
Jener sah den Burschen näher an. Ein Junge von siebzehn oder achtzehn Jahren, gut gewachsen, frischen Aussehens, mit ein paar großen, nußbraunen Augen, die fest und treuherzig blickten; vielleicht verwahrlost ein wenig, aber sonst kein übler Bursche.
„Bist Du ein Knecht von irgendwo?“ fragte ihn der Bauer.