„Seit der Schranke her.“

„So bin ich im obern Gäu daheim.“

Der Bauer wollte jetzt stillstehen, aber der Stier erlaubte es nicht, trottete seinen gleichen Schritt.

„Mich däucht, Du bist ein Vagabund!“ rief der Hochweidhofer dem Burschen zu.

„Mich däucht auch,“ war die Antwort. Hierauf fuhr der Nirgendsdaheim mit seiner Hand streichelnd über den Rücken des Thieres, über den ein hellgrauer Streifen ging. „Der Schwarze wird weiß,“ sagte er halblaut, „ist er nur erst ein Ochse geworden.“

„Ja, verstehst Du denn vom Vieh was?“

Das Gespräch wurde unterbrochen. Zwei Gerichtsdiener mit bespießten Gewehren führten einen jungen Mann vom Berge herab und an unseren Dreien vorüber. Der Gefangene war in guter und geschmackvoller Gebirgstracht und eine schwere, silberne Uhrkette gängelte an der Weste. Die Arme hielt er über der Brust gekreuzt, durch ein Stahlkettchen aneinander geschlossen. Den grünen Hut, auf welchem keck Gemsbart und Hahnenfedern prangten, hatte er vorn schier bis zur Nase herabgedrückt; das Gesicht war etwas blaß und hatte ein leichtes Schnurrbärtchen.

Der Gefangene hatte bei der Begegnung seinen Kopf sogleich beiseite gewendet, aber Melchior war stehen geblieben, hatte ihn angestarrt, bis er vorüber war. Ein wunderliches Gröhlen stieß der Bursche aus, dann stand er noch eine Weile still und blickte der Gruppe nach.

„Der Forstadjunct Kilian, kennst Du ihn?“ sprach der Hochweidhofer.

Der Bursche nickte mit dem Haupte, auf seinem Gesichte spielten Todtenblässe und Dunkelröthe.