„Der hat sich sicherlich ein paar schwere Rehböcke zu Schulden kommen lassen,“ meinte der Bauer, „war aber sonst ein ordentlicher Mensch.“

„O du verfluchtes, o du vermaledeites Geld!“ stöhnte der Melchior, dann ging er wieder hinter dem Stiere her und sagte kein Wort mehr, was der Bauer vom Rochusberge auch fragen mochte.

So waren sie einige Stunden mitsammen gegangen, waren durch Gesträuche und Wälder gekommen und endlich auf einer Hochblöße angelangt, von der aus man den ersten freien Blick in’s Land hatte. Die Gegend ist zumeist Wald- und Haideland; nur selten steht an den sonnigen Hängen oder in den Wiesenthälern ein Haus, dann aber liegt ein Kornäckerchen und ein Krautgarten dabei. Der Blick geht so weit, bis die Waldhöhen blau werden und endlich an sonnigen Tagen die Berge und die Wölklein nicht mehr von einander zu unterscheiden sind.

„Sooh, mein Schwarzer!“ rief der Hochweidhofer gedehnt, „wir sind daheim! das ist schon meine Wiese – wenn’s gefällig!“

Der Stier ließ sich’s nicht zweimal sagen und hub an zu grasen.

„Halte den Strick dieweilen!“ sagte der Bauer zum Burschen, dann zog er eine große, rothlederne Brieftasche hervor, faltete sie langsam auseinander, blätterte in den Banknoten, während er in halb singendem, höhnischem Tone folgende Sprache führte: „Nu, wollen sehen – mein vornehmer Herr Stromer, was sich findet –; sollst dem Bauer von der hohen Weid – nicht umsonst – nachgelaufen sein –.“

„Nachgelaufen bin ich nicht!“ sagte der Melchior.

„Je, nur nicht gleich so hitzig, Junge! – sollst es nicht umsonst gethan haben – wird morgen zwar – vertrunken – verspielt sein. – Nichtsnutzig Volk, das! – Lauft am hellen Werktag in der Lunger herum – stiehlt dem Herrgott seinen Tag. – Seh, da hast, das gehört Dein, Du Vagabund Du!“

Er hatte sich schon lange den Berg heran gefreut, wie er, des Burschen nicht mehr bedürftig, seine Meinung würde sagen können. Nun war’s heraus; aber auch eine noch nagelneue Zweiguldennote war heraus: „Seh, das gehört Dein!“