Die Goldsäcke voll! Das war sein Denken und Streben, sein Glauben und sein Himmelreich.
O, Dir thät ich’s wünschen, alter Gauch, Du hättest die Goldsäcke voll und müßtest sie fortweg auf Deinem Höcker schleppen, daß sie Dich derb ritten und drückten! Das wären die Sorgen für die alten Tage! – So dachte der Melchior dem Alten einmal nach.
Nun, er, der Melchior selber, bot freilich Alles auf, um sich vor einer solchen Last zu bewahren.
Der Hochweidhofer wurde immer kränklicher; seine hohe Weid, die seine Kraft, sein Stolz, sein Leben war, wurde ihm immer gleichgiltiger. So ging er denn d’ran, das Gut seinem jüngsten Sohne zu verschreiben.
Zuvor aber beschied er den Melchior in seine Stube. Dieser nahm gar seine Mütze ab, denn der Bauer schien ihm blaß und krank zum Versterben.
„Melchi,“ sagte der Kranke, „wir Zwei haben noch was auf gleich zu bringen miteinand. ’s ist vier Jahr’ und drüber, daß Du in meinem Haus bist. Bist brav und ordentlich, bist letzt’ Zeit her meine rechte Hand gewesen. – Der Fritz merkt wohl auch, was er an Dir hat, und mir wird’s noch in der letzten Stund’ taugen, wenn ich weiß, Du wirst auch auf hinfür noch im Haus verbleiben. Hätt’s auch gern gesehen, daß Dich mein Sohn, der Doctor, des Soldatenlebens wegen untersucht und für untauglich erklärt hätt’, ’s wär’ leicht gegangen. Nu, wenn Du nicht willst! – Aber die alt’ Sach’ muß jetzt richtig gemacht werden, ’s könnt’ sonst leicht Anständ’ geben, wie’s schon geht bei den Leuten.“
Der Hochweidhofer richtete sich im Bette auf und that unter dem Kopfpolster ein kleines Packetchen hervor, das er schon früher bereitet haben mochte. Es war in weißer Leinwand und mit einer blauen Schnur umwickelt. Er hob es mit der Hand und schaukelte damit ein paarmal auf und ab, als ob er seine Schwere prüfen wollte. Dann sagte er mit leiser Stimme: „Melchi, das ist Dein Eigenthum.“
Der junge Mann erschrak fast und that seine Hände hinter den Rücken, daß sie ja nicht angreifen konnten.