„Melchi!“ fuhr der Kranke fort, „mach’ jetzt keine Albernheiten, jetzt ist keine Zeit dazu. Die Sache gehört Dein, Du hast sie redlich verdient und Du wirst sie noch brauchen! – Greif an, laß’ mich nicht so lang’ reden, Du siehst wohl, daß es mich aufregt.“
Der Melchior war gegen das Fenster gegangen und starrte nun in das Freie hinaus. – Draußen auf herbstlichem Gras hüpften gelbe Laubblätter umher; in der Stube lag ein todtkranker Mann, und da wird noch von Geld und Gut gesprochen...
Der Bursche schüttelte traurig den Kopf, er nähme nichts.
„So,“ sagte der Bauer darauf mit einer Gelassenheit, hinter der Wuth steckte, „so, also schenken, schenken willst Du’s dem Bauer von der hohen Weid!“
„Ich hab’ nichts zu schenken,“ versetzte der Melchior, „ich hab’s gut bei Euch gehabt; bei Euch im Hof ist meine schönste Zeit gewesen; ’s kommt keine solche mehr. Jetzt, wenn Ihr auch wollt versterben...“
Er wendete sich ab; die Zipfelhaube hatte er fest in die Faust geballt, jetzt fuhr er sich damit rasch über das Gesicht.
„Melchi,“ sagte der Alte, „geh’ her zu mir. Gieb mir die Hand. So, ’s thut mir gut, daß Du da bist. Mein Sohn, der streift in den Weiten herum. Der ist leichtfertig und unerfahren, ich will Dich bitten, daß Du ihm fort recht zur Seite bist. Uebrigens – kann’s auch mit mir besser werden; hätt’ ich nur erst den Winter überdauert! – Nu, wie’s Gott will. – Jetzt, Melchi, nimm das! Kränk’ mich nicht, nimm das. – Denk’ halt, ’s wär kein Geld d’rin – nur ein Angedenken –“
„Kein Geld!“ murmelte der Bursche. Darauf stand er eine Weile unentschlossen da und schließlich nahm er das Päckchen.
Aber beklommen verließ er die Stube. Er ging in die Kammer, dort öffnete er mit zitternden Händen das Packet.