„Hast einen Fehler?“ fragte sie theilnahmsvoll.
„Hier drin, meinen sie, müßt’s hinken,“ versetzte der junge Mann und stemmte seine beiden Zeigefinger auf die Stirn.
„Ich hab’ gehört, daß Du so theures Brennholz heizen thätest,“ bemerkte das Weib und machte sich mit dem Kleinen zu schaffen, den sie nach und nach mit Ernsthaftigkeit und Liebkosungen aus dem Stübchen schob.
„Festweg, Toni, brauchst Dir keine Sorg’ zu machen, das ist vorbei,“ sagte der junge Mann und klöpfelte; „unser Häusel thäten wir schon mit Scheiterholz auswärmen. – Wohl wahr, wir hätten die fünf Hunderter leicht anwenden können; aber für’s Erst’ hab ich meinen Zorn auslassen wollen gegen das Geld, das mir allerlei böse Tage gemacht und zuletzt gar mein Herzlieb davon geführt hat. Und für’s Zweit’, Toni, möcht’ ich gern wissen, was denn wohl der Melchior – frisch und gesund und bald dreiundzwanzig Jahr’ alt, bisher Halter auf der hohen Weid, just für sich, nach der Elle oder nach dem Pfund gemessen – werth sein kann.“
Er schwieg ein wenig, sie wußte auch nichts zu sagen. Nein, sie hätte schon was gewußt. Es war ihr wohl heiß um’s Herz.
Der Bursche zog sein Geldbeutelchen aus der Tasche; „’s ist nicht ganz leer, Toni,“ sagte er. Das Lebkuchenherz war drin.
„Und nachher, weißt,“ rief er und stemmte seinen Ellbogen fest auf den Tisch, „weil’s vorbei ist, was vorbei ist, so seh’ ich jetzt wohl ein, daß der Mensch ohne Geld halt doch einmal nicht recht wachsen will. Mir thut das in die Länge wachsen nimmer noth, aber in die Breite gehen möcht ich. Jetzt wär’ das schon recht, hätt’ ich mir vor Zeit das Geld nicht abgeschworen für all’ mein Lebtag. Was man schwört, muß man halten, und jetzt denk’ Dir, Toni, so steh’ ich da. – Hab’ mir aber schon was ausgetipfelt, Toni, wollt’ mir nur wer dabei helfen. – Heiraten muß ich, ’s giebt sonst kein Mittel für mich. Ich will auf dem Gütel arbeiten, oder im Tagelohn, oder draußen im Dorf, oder drin im Wald, oder auf der Alm. Ich schick mich in Alles, und mein Weib, das wird das Geld dafür in die Hand nehmen und damit machen, was sein muß. – Was meinst, Toni, ist der Rath zu brauchen?“
„Ja,“ sagte das Weib und räumte den Tisch ab, „zu brauchen – – zu brauchen ist er schon.“
„Und – und willst Du mein Geldbeutel werden?“ fuhr es dem Burschen heraus.