Das Reich Gottes.

Dort auf dem Hochpaß, wo der Waldweg vom freien, sonnigen Hügelland hinüber und abwärts in schattige Schluchten des Hochlandes führt, steht unter einer grauen, zerklüfteten Felswand ein hundertjähriger Lärchbaum.

Er steht einzeln auf einer kleinen umwaldeten Rasenweide. Sein knorriges Geäste strebt nach allen Seiten weit hinaus, als sei es in Wettstreit mit den sich unter dem Rasen hinschlängelnden hundertfältigen Wurzeln.

An der rauhen, vielfach zerklüfteten, harzigen Rinde des Stammes ist ein verwittertes Crucifix angebracht; es wächst schon Moos an den Armen und an der Brust des Gekreuzigten.

Auf dieses Crucifix richten sich die Augen eines Mannes, der im Baumschatten auf dem Rücken liegt, die rechte Hand als Kopfkissen gelegt, mit der linken einen Rosmarinstamm zerknitternd. Die Augen des Mannes sind groß und dunkel, auf seinen bleichen Wangen und Lippen liegt es wie ein schweres Leid. Der junge, schwarze Bart ist ungepflegt – über die langen Haare kriecht eine Kreuzspinne.

Der Mann gewahrt es, er hält den Rosmarinstamm gegen die Stirne und das Thier kriecht über denselben auf seine linke Hand. Diese zittert, es entfällt ihr die Pflanze. Das Thier krabbelt gegen den Elbogen und endlich auf die Brust.

„Ein großes Glück kommt zu mir, denn eine Kreuzspinne sitzt mir am Herzen!“ murmelt der Mann und seine Brust wogt hoch auf.

Aber die Spinne krabbelte darüber hinaus und verkroch sich wieder im Grase.