So hatte es der Baron aufschreiben lassen und das ist die Geschichte von dem Holzknechthaus. –
Draußen im schönen Thal, wo auf einem Hügel das prächtige Schloß steht, liegt heute zwischen wohlbearbeiteten und fruchtbaren Feldern ein stattlicher Bauernhof, und Knechte und Mägde schaffen in und um denselben. Der Bauer trägt einen tüchtigen Schnurrbart und arbeitet wacker mit, obwohl er’s nicht Noth hätte. Wenn er Abends heimkommt, halst er sein Weib und sagt: „Waberl, Du Herztausendschatz, grüß Dich Gott!“
Den Bauernhof hat der Baron dem Mirtl gekauft, und dieser braucht keine Robot mehr zu entrichten. Julerl, die Tochter hat einen Gutsbesitzer geheiratet und Hans ist Oberförster.
Für den Hof daheim sind schon noch Jüngere.
Der Baron hat viele graue Haare. Man sagt, er habe die ersten vom Holzknechthaus mitgebracht. Er ist auch sonst seit jenem Ereignisse anders geworden. Wenn er irgendwo eine arme Familie weiß, so hilft er und erkundigt sich, wie tief um ihre Hütte im Winter der Schnee liege. Und wenn er am Sonntagmorgen bei den Seinen auf dem Söller steht und den Mirtl und seine Gattin und Kinder festlich gekleidet mit den zwei Hengsten thaleinwärts fahren sieht, so grüßt er sie schon von weitem.
Wo fahren sie hin?
D’rin im Gebirg ist ein Dorf und eine Kirche und ein kleiner Gottesacker dabei, dort halten sie und pflanzen Blumen auf ein Grab und geben einem alten mühseligen Weiblein Geld, damit es dieselben ferner pflege. Dann setzt sich Mirtl mit den Seinen wieder auf das Gefährte und läßt’s weiter gehen – tiefer hinein in das Hochgebirge. Der Weg ist holperig und neben demselben rauscht und schäumt der Waldbach. Endlich kommen sie in ein enges Thal, wo das Wasser ruhig durch eine kleine Wiese läuft und zwischen den Tannen ein Stück graues Gemäuer steht.
Auf dem Gemäuer wächst wunderschöner blauer Enzian und anderes medicinisches Kraut. Davon pflückt sich der Mirtl ab und nimmt mit in’s große Thal hinaus. Es soll gut sein. Auch der Baron Franz von Scharfenthal braucht davon. Er kennt nunmehr in seinen alten Tagen kein heilsameres Kraut, als diesen blauen Enzian von der Stätte des Holzknechthauses.