So weint der ringende Menschengeist, dem das Wissen verschlossen und das Forschen verboten ist!
Endlich stieß Martin das vergilbte Buch in die Ecke, sprang auf, raffte nach Hut und Stab und verließ die Hütte.
Es war der Mond aufgegangen und im dunklen Waldesgrund lagen silberne Tafeln und Fäden und Punkte. Martin schritt darüber hinweg – in diesen bleichen Strahlen lag es doch nicht, was er suchte. Er hatte sie schon gefragt in stiller Mitternacht; er hatte die Sterne angerufen; hatte am Tag der Sonnwende aus dem Windröschen und dem Sesamkraut ein Feuer gemacht und durch den aufsteigenden Rauch in die Sonne geblickt – aber verschlossen blieben die Himmel. Und doch träumte ihm einmal, es gäbe ein Lichtlein im Weltenraum, und das Licht führe zum Heiligthum, das er suchte. –
Und siehe, als der Bursche so durch Wald und Hag dahinschritt, da sah er auf der Haide ein Lichtlein.
Er eilte ihm träumend zu. Eine Hütte stand dort; Martin sehnte sich nach Menschen.
Und als er zur Hütte kam, da fand er in derselben ein Weib einsam und verlassen auf einem Strohbund liegen; das schluchzte gar sehr, weil man ihm sein Kind fortgetragen hatte hinaus in ein fremdes Grab.
Martin setzte sich an die Thürschwelle.
Der Kranken that es wohl, daß ein Mensch bei ihr war, zu dem sie reden und klagen konnte.
Sie war ein armes Weib, war an der Seite ihres Mannes herumgezogen fast schon in der halben Welt; das Volk gab Brot und die Lebensluft dazu gab Gott. Vor einundzwanzig Jahre hatte sie ihrem Manne das erste Kind geboren und in zwei Jahren darauf auf geheimnißvolle Weise verloren. Der Knabe spielte am Wiesenraine, als sie vor dem Schloßthore eines reichen Mannes Lieder sang, und als sie ihn rief, kam er nicht, und als sie ihn suchte auf der Wiese, auf dem Felde, im Walde – in der halben Welt suchte, fand sie ihn nicht.