Als sich dieses aufgeklärt hatte, trat der Freiherr hin vor Ludwig und sagte: „Wir wollen uns duelliren!“
Darauf entgegnete Ludwig: „Wenn das Dein Ernst ist, so bist Du ein Narr, wie Alle, denen derlei Ernst ist. Das Mädchen selbst soll sagen, ob es Einen von uns nehmen mag, und welchen; demgemäß wollen wir dann ruhig handeln.“
Auf diese Worte schrie der Freiherr: „Graf Ludwig, Du bist ein Feigling!“ Da der Graf von sehr schöner Gestalt und allerorts beliebt war, so glaubte der Baron voraussehen zu können, daß das Mädchen denselben ihm vorziehen würde.
Von dieser Zeit an mußte Ludwig immer allein gehen. Seine Collegen wollten nichts mit ihm zu thun haben, sie grüßten ihn kaum auf der Gasse, in Gelagen stieß Keiner mit ihm an und auf der Bank des Lehrsaales, wo er saß, saß sonst Keiner, als er. „Ein gräflich Blut und solche Feigheit!“ flüsterten sich die Jungen hinter seinem Rücken zu.
Das that dem Jungen weh, weil die Collegen ihn mieden und sein gräflich Blut beschimpften und weil er die Gesellschaft bedauerte, die von derlei falschen Grundsätzen noch so allgemein beherrscht wurde, die aber die gebildete und maßgebende heißen wollte und von der er lernen sollte. – Was der Bauer im Jähzorn thut und nach eingetretener Nüchternheit bereut, thut der Duellirende in kalter Ueberlegung und mehr noch – weil er glaubt, sein gegebenes Ehrenwort rufe ihn, schießt er todt. Ehrenhalber wird Einer wegen nichtsbedeutender Albernheiten der Flegeljahre zum Krüppel gemacht oder zu Tode geschossen.
Dergleichen dachte unser junger Gelehrter oft und oft und dergleichen gab ihm nach und nach eine andere Richtung.
Er sonderte sich immer mehr und mehr von dem Menschenkreis, in dem er lebte, und begann mit demselben zu zerfallen. Er widmete sich ausschließlich seinen Studien und als sich aus denselben ein vorzügliches Resultat ergab, kam er zum Entschluß, seinen Wirkungskreis als Mensch und Staatsbürger auf ein Feld zu stellen, das unbeleckt von der Aftercultur, einen dankbaren Boden für würdige Mannesthaten bietet.
Wohl nahm er nach seinen vollendeten Studien in einem großen Lazareth der Stadt eine Assistentenstelle an, erwarb den Doctortitel, lebte im Allgemeinen aber abgeschlossen ganz seinen wissenschaftlichen Forschungen und den Nothleidenden.