„O, vergelt’s Gott!“ rief der Harfner, „wie könnt’ ich trinken, wenn für mein Weib keine Raststatt ist. Weit und breit kein evangelischer Friedhof. Soll ich sie denn im Wald vergraben?“

„Und wenn es darauf ankäme!“ versetzte der Pfarrer, „die Erde ist überall Gottes. Kann ich zu Eurem Troste kommen und beten? Ich thue es gern.“

Der alte Mann wankte wortlos davon.

Er ging durch das grüne Thal den Wäldern zu, er stieg über den Berg in die Schlucht hinab, wo das Haus des Kilian steht. Und als er dort in die Stube trat, stand er vor einem Heiligthum.

Es war nicht mehr die Zechstube, wie in der vorigen Nacht, wo hier im Tisch das lange Messer stak und auf dem Fußboden die derben Schuhe des jungen Paares reigten – es war anders. An der vorderen Wand der Stube, von zwei Oellichtlein milde bestrahlt, lag sein Weib aufgebahrt zwischen Waldblumen und wilden Rosen. Zu Haupten stand ein kleines, hölzernes Kreuzbild und ein Weihwassergefäß mit einem Sprengzweiglein. Auf der Brust der Leiche lagen papierne Heiligenbildchen und zwischen den Fingern stak ein Vergißmeinnichtsträußchen und eine Wachskerze. Die Stirne war mit einem grünen Lärchenzweig umwunden. Der Körper war bedeckt mit einem weißen Tuche und zu Füßen der Bahre lehnte die Harfe.

„Susanna,“ sagte der Harfner und legte seine Hände an ihr Haupt, „wie sie es herzensgut mit Dir meinen. Schau herab vom Himmel auf dieses Haus. Sie haben Dich zwischen Rosen gelegt – schau herab.“

Hinter dem Hause war der Köhler beschäftigt, mit Erlstrauchbändern zwei Stangen zu einer Bahrtrage aneinander zu binden.

Der Harfenspieler fiel ihm um den Hals und weinte.

„Ist recht,“ sagte der Köhler, „weint Euch aus, dann wird Euch leichter.“

„Eurer Gutheit wegen,“ schluchzte der Musikant, „Eure Gutheit schlägt mir so an’s Herz. Aber die Tragbahre, lieber Mann, die haben wir nicht vonnöthen.“