Da blieben im Waldlande die Wildbäche aus, aber nur für kurze Zeit, bald hatten sie die Hochwälle der Lawinen durchbrochen und überfluthet und kamen nun wie Ungeheuer herangewogt mit Schutt und Eisblöcken, und Holzstämmen und Felsmassen.
Die Holzhauer schüttelten die Köpfe; das ist ein schlimmer Tag! – Etwan ist im Felsgebirge der Drache losgeworden!
Der Hans hatte lange ruhsam Scheiter gespalten und sich gedacht: ’s ist eben böse Auswärtszeit, aber über’s Jahr heb’ ich an in Gottesnamen, und im Dorfe ist keine Gefahr mehr, und bislang wird die liebe Frauen schon Hüterin sein. – Als aber das Getöse ärger wurde, da lehnte er die Axt aus der Hand und horchte; und endlich, als die Erde zu beben anhub von den tobenden Gewalten im Gewände, da that der Hans plötzlich einen großen Sprung und eilte über Stock und Stein hin gegen sein Felsenthal.
Schuttwälle und Gießbäche schnitten ihm oft den Weg ab, dann starrte er zuweilen in die Fluthen und vermeinte in den heranwogenden Holzblöcken Theile von seiner Hütte zu erkennen. Das Donnern auf den Höhen und das Tosen in den Tiefen wollte ihn betäuben, aber die Hutkrempen tief über die Ohren gedrückt und mit halb geschlossenen Augen wand er sich ruhelos weiter bis zu dem schroffen Felsenthore, das in sein kleines Thal mündete. Er bog um die Wand, er sah in den Felskessel – da wollten ihm plötzlich seine Füße und sein Athem versagen. Er sah am Hange das Frauenbild nicht mehr. Eine ungeheuere Sandriese ging nieder von den höchsten Gewänden und schnurgerade der Stelle des kleinen Hauses zu. Und das Haus stand nicht mehr da.
Der Hans stand, als wäre er selbst ein Steinbild geworden.
Erst nach einer Weile begann es wieder zu zucken und zu zittern in seiner Brust. Wie verloren wankte er dahin – er suchte die zerschmetterten Leiber der Seinen, er suchte die Trümmerstätte seiner Heimat.
Auf dem Platze, wo das Häuschen gestanden, lag ein Berg aus Schnee und Schutt still und starr, als ob er in Ewigkeit so dagelegen wäre. Aus ihm hervor ragte das niedergebrochene, kantige Felshorn.
Daneben hüpften ein paar Ziegen auf und ab und meckerten. Aber an dem Schuttberg in der Tiefe nagte schon der Wildbach, und jenseits des Wildbaches – der Hans fuhr sich mit beiden Händen über die Augen, er träumte doch nicht, er stand ja mit wunden Füßen im Gestein – aber jenseits des Baches stand sein Häuschen.
O Gott, da dachte der Hans wohl an keine Gefahr, er setzte über Gefelse, er sprang durch die Fluthen, er stand vor seiner Hütte. Sie war ein wenig schief und verschoben und einige Balken waren geborsten, aber sonst war sie unversehrt. Die Thür war offen.