„Verstatte mir, ist sie noch in der Wachtstuben?“

„Ei, Närrchen, wer wird so ein laubfrisch Ding in der Wachtstube lassen! Sie befindet sich im Untergebäude in den Kammern der Küchenmädchen.“

„Die weiß ich!“ Der Kutscher machte seinen militärischen Gruß und ging.

„Apropos, Jonas!“ rief ihm der Magister Flaus nach, „aber nur den Ring.“


Das arme Viktel, die junge Magd aus dem Leeshofe, saß in einem kahlen Zimmer des fürstlichen Schlosses, stützte die Ellbogen auf ihr Handbündel und starrte wie verloren auf den Boden hin. Kaum wußte sie, wie sie aus der Wohnung der schönen jungen Frau hierhergekommen war. Ihr wirbelten vor den Augen alle Farben, sie erinnerte sich nur dunkel, daß sie unterwegs auf der Treppe von einem baumlangen Menschen angehalten und gekost worden war, und daß sie in der Soldatenstube Einem die Faust in’s Gesicht geschlagen habe. Was es in einem solchen Schloß für sündhafte Leute giebt! – Dann war sie in dieses Zimmer gebracht worden. Ein Tisch stand da; sollte sie heute hier essen? Sie hat keinen Hunger. Ein Bett war hier; sollte sie die heutige Nacht darin schlafen? Das Fenster ging in einen Hof hinaus, ringsum lauter Mauern. Schon dämmerte der Abend.

Sie kam sich vor wie eine Gefangene. Was wollte man mit ihr? War der Fremde, den sie damals am Leeshofe gesehen hatte, also der Prinz? Und er hat eine Geliebte und diese will den Ring von ihr zurück haben? – Auch der Trotz ist jetzt da. Und wenn sie ihr den Kopf abschneiden, so macht sie die Hand zur Faust, daß der Ring nicht herabgeht. – Was hat diese Frau für ein giftiges Auge! Und er hat sie, das Viktel, wieder so freundlich angesehen und schier so lieb mit ihr gesprochen wie dazumal. Sie verlangt, sie mag von ihm nichts, als den Ring. –

So waren ihre Gedanken. Dann kam ihr zu Sinn, es warte in diesem Palaste nichts Gutes und sie solle trachten, hinauszukommen. Am Thore stehen Soldaten mit langen Messern. Wenn sie nur ein einziges Wort mit dem Prinzen sprechen könnte, sie glaubt es nicht, daß er ihr Böses anthun lassen will. Ihre Brust strebt lebhaft nach Athem; die Luft ist hier gerade so wie laues, faules Wasser – man erstickt.

Als es finster geworden, wurde das Zimmer von der Laterne beleuchtet, die zum Fenster hineinschien. Um diese Zeit war’s, daß das Viktel sein Bündelchen fester band und leise das Zimmer verließ.