Der Schlaf läßt sich nicht befehlen. Das Mädchen drückte die Augen fest zu, aber sie gingen immer wieder auf und schauten in den Sternenhimmel hinein. Eine Sternschnuppe um die andere flog hinab. „Gott tröst’ alle Sterbenden!“ sagte die Ruhende. – Im Grase zirpten noch Heimchen. Hunderte von Thierchen waren auf der Wiese und umkreisten das Mädchen; das Viktel ahnte nichts von dem, was für diese Nacht in den Mauern des Prinzenpalastes ihretwegen geplant worden war. – Da fiel ihr jetzt ein: Wenn schlechte Leute des Weges kämen und sie mich hier gewahrten im Klee! In der Nähe einer solchen Stadt giebt es gewiß allerlei Gesindel. Wenn der Graber-Schorsch daherginge! .... Sie faltete ihre Hände über die Brust und flüsterte das Gebetchen, welches sie als Kind von ihrer Mutter gelernt hatte: „In Gottesnam’ schlafen, sechs Engel werden mir wachen, zwei zu Haupten, zwei zu Füßen, zwei zur Seiten, Unsere liebe Frau wird ihren Schutzmantel ausbreiten. Amen.“

Bald nachher erschraken die Heimchen vor ihrem Schnarchen.


Der Peter fuhr früh in der Morgendämmerung aus, um Klee einzuheimsen. Schon von weitem sah er die kahle Stange ragen und fluchte über das Gestrolche, welches ihm schon wieder einen Schober auseinandergeworfen habe. Als er dem Haufen in die Nähe kam, wurde es in demselben lebendig und ein bildhübsches Dirndl sprang aus dem Klee hervor und lief davon.

Der Peter sprang ihr nach, erwischte sie, und das Viktel hatte glühende Augen und rief: „Wann Du nicht auslaßt, so kratz’ ich!“

„Kratz’ zu, kleine Hex’! Was hast Du denn in meinem Klee gemacht?“

„Geschlafen.“

„Weißt Du’s, daß der Peter in seinem Klee nicht umsonst schlafen läßt? Komm! Wir wollen zu zweit suchen, ob ein vierblätteriger dabei ist!“

„Laß aus, sag’ ich, Du großmäuliger Dingling, Du! Ist denn in dieser Gegend jedes Mannsbild vom Teufel besessen! Auslaß’!“