Langsam und still verging der Tag. Am Abende, als Agnes vom Walde heimkam, machte sie auf dem Herd ein lebhaftes Feuer, holte aus den Schränken Mehl und Fett und begann zu kochen und zu backen. Und in der Nacht kamen der Pecher und sein Weib im Sonntagsstaate, es kam der Zimmersepp mit dem Sarge und es kamen andere Leute, wilde, narbige Bursche, struppige und gutmüthige Greise, Weiber und Kinder. Jedes kniete, als es in die Stube kam, vor der Bahre nieder und betete still, dann stand es auf und sprengte mit dem Tannenzweige Weihwasser auf den Leib der Todten. Dann blickten sie theilnehmend auf den fremden Mann hin, der im Winkel saß, und Einer oder der Andere suchte ihn mit Worten zu trösten: man müsse es nehmen, wie es Gott schicke, sterben müßten wir Alle einmal, Keiner bleibe übrig, und die Abgestorbene hätte es überstanden, für sie sei es so am besten, sie hätte gewiß nicht viel Gutes gehabt auf dieser Welt. Gott tröste ihre Seele.

Sie wachten die ganze Nacht, und dann kam Agnes und trug Krapfen auf den Tisch, und Kilian, der sich heute allen Ruß vom Leibe gewaschen und in seinen Sonntagsanzug gesteckt hatte, lud die Leute ein, sich an den Tisch zu setzen und zu essen, wie es Gott gesegne.

Sie setzten sich hin und aßen. Der Harfner blieb in seinem Winkel und aß nicht.

Nach dem Mahle gab der Köhler Jedem eine Wachskerze in die Hand. Dann machte er die Thür auf und sie trugen den Sarg herein. Derselbe war aus neu geschnittenen Brettern gezimmert und zu Haupten lagen Hobelspäne als Kopfkissen.

Nun kamen Alle zum Sarge heran und besprengten ihn. Dann hoben drei Männer die Leiche und legten sie hinein. Das geschah, indem Alle schwiegen. Jetzt trat ein Mütterlein zum Harfner und sagte: „Wollt Ihr sie noch einmal anschauen, so kommt. Ihr seht sie dann nicht mehr, bis zum jüngsten Tage.“

Der Greis sank hin über den Sarg. An der Wand schellte die Harfe.

Jetzt erhoben sie ihre Stimme und sangen den Grabgesang:

„Fahr’ hin, o Seel! zu Deinem Gott,

Der Dich aus Nichts gestaltet,

Zu dem, der Dir durch seinen Tod