„Was machst Du da, Stromer?“ fragte ihn der Köhler.
„Ich,“ murmelte der Andere, „hin werde ich. Es haben mich die Jäger erschlagen wollen.“
„Und warum haben sie es nicht gethan?“
„Weil ich mich zu früh todt gestellt hab’.“
„Und warum hast Du sie nicht niedergeschossen?“
„Schieß’ nur, schieß’, wenn sie Dir das Brenscheit (Gewehr) stehlen, während Du den Rehbock ausdärmst! – Fett ist er, denk’ ich, und heut’ hat’s gerathen. Stehen sie Dir auf einmal da, ihrer Drei, und hauen mit dem Griesbeil auf’s Messer, bis es entzweispringt. Mit was wehrst Dich? Kaum daß ich dem Einen noch die Faust in’s Gesicht werfen kann, fangen die andern Zwei schon an, loszudreschen. Ein Schaft ist in Scherben gegangen – da schau Dir die Trümmer an – bis sie mich zu Boden gebracht haben. Der Franzinger ist auch dabei gewesen. Halt, denk’ ich mir, für Dich muß ich mich noch aufheben, und hab’ die Zung’ herausgereckt und mich nicht mehr gerührt. Der steht nimmer auf, haben sie gesagt, nachher sind sie fort mit meinem Gewehr und dem Thier. Aber aufsteh’ ich noch! Schau mich an, Kilian, aufsteh’ ich noch, und ehevor ich noch einmal auf den Erdboden fall’, ehevor fällt ein Anderer!“
Der Wilderer war etwas arg zugerichtet. Er bewegte sich mühsam weiter. Der Köhler wollte ihn stützen, aber er schlug es trotzig aus; er brauche keine Krücke.
„So komm’ in mein Haus, wir legen Hasenschmalz auf Deine Wunden.“
Der Verwundete hinkte neben dem Köhler her und knirschte. Plötzlich rauschte es im Gebüsch. „Wildtauben!“ zischelte der Hans, hob einen Stein auf und schleuderte ihn in’s Dickicht. Etliche flogen davon, eine flatterte auf und stürzte wieder zu Boden. Ohne Gewehr hatte der verwundete Wilderer ein Thier erlegt. Dann schlug er sich mit der Beute seitab.
Als der Köhler zurück in sein Haus kam, saß der Harfner noch an der Bahre und sah in das blasse, ernste Antlitz seines Weibes.