Zu seiner Rechten stehen.“

– – Das Lied verscholl, das Glöcklein schwieg. Der Harfenspieler saß in tiefer Traurigkeit auf dem Erdhügel.

Die Kerzen loschen aus und nur die blauen Bändchen des Rauches an den Dochten wehten hin wie Trauerfahnen. Die Erde rollte auf den Sarg; Kilian nahm den armen Witwer an der Hand und sagte: „Nun wißt Ihr, wo sie ruhen wird. Ihr werdet mit Eurem Saitenspiel wieder zu frohen Menschen gehen, Gott giebt Euch auch selber noch manchen heiteren Tag. So will ich Eins sagen: So lange Einer von Allen, die heute beisammen sind, im Edelwald lebt, wird dieses Grab in Ehren gehalten werden. Hier auf den Hügel pflanze ich dieses Kreuz. Der liebe Herr Jesus sei mit ihr und mit Euch und mit uns Allen.“

So hat er gesprochen, der schlichte, wackere Mann. Dann gingen sie auseinander nach verschiedenen Richtungen. Der alte Harfner gab Kilian noch einen Händedruck: „An Deinen Kindern wird’s vergolten – gewiß, gewiß!“ Noch einen kurzen Blick auf das Grab – dann ging er davon, dem Thale zu, wo die Landstraße war.

An der Kapelle war es wieder still geworden, nur ein leises Lüftchen wehte, säuselte in den Zweigen und summte in den Saiten der zerbrochenen Harfe, die an einem Baume lehnen geblieben war.

Gegen Abend desselben Tages kam der Wilderer Hans, schlich hinter die Kapelle, steckte sein Gewehr zusammen, lud, untersuchte es und lauerte. Bald darauf schritt den Fußsteig, langsam und gemächlich, der Jäger Franzinger heran. Er war in schmucker Tracht mit grünem Federhut, war ausgerüstet mit Waidtasche, Pulverhorn, dem Hirschfänger und dem Doppelstutzen, der lässig über seiner linken Achsel hing. Jetzt stand er still und zündete sich eine Pfeife an.

Hans legte den Lauf seiner Büchse an einen Baumast, da er die linke Hand in der Binde trug, und zielte gegen den Jäger. Dieser hatte eine kleine Mühe, der Wind löschte ihm immer die Streichhölzchen aus. Nun griff er zu Schwamm und Feuerstein.

„Mein lieber Franzinger,“ murmelte der Wilderer bei sich, „Dein Feuermachen ist umsonst, Du mußt jetzt sterben.“ Er tastete mit dem Finger nach dem Hahn – da hört er ganz nahe neben sich etwas, wie Harfenspiel. Hans fuhr zusammen, da fiel das Gewehr auf den Boden und entlud sich in die Luft. Der Jäger stieß einen Fluch aus, sah den Wildschützen und verfolgte ihn. Beide verloren sich in den Dickichten des Waldes.

Nach einigen Tagen, als Baldrian, der junge Meisterknecht, und seine anmuthsvolle Braut auf ihrem Hochzeitsgange an der Kapelle vorüberkamen, lehnte am Baume neben dem Grabe noch die Harfe und ein niederhängender Zweig, der im Windhauche sich bewegte, spielte sacht’ in den Saiten.