Die Frau verstand wohl den Ausdruck, entgegnete aber nichts darauf, sondern sagte zu einem der kleinen Mädchen: „Wie heißest Du? Bärble heißt – schau, da hast einen Groschen. Und willst mir dem Fuhrmann da draußen sagen gehen, er sollt’ die Rösser in den Schatten führen und ihnen Heu geben. Mußt ihm’s aber recht in’s Ohr schreien – verstehst!“ Dann zum alten Froschreiter: „Na, ich hätt’ doch gemeint, Ihr gäbet der Ländhoferin vom oberen Viertel ein Fäßlein Heurigen.“

Jetzt lugte der Alte die Frau eine Weile an, kraute dann in seinen dünnen Haaren: „Und das wäre die Ländhoferin? Die groß’ Bäuerin von der grünen Länd? Ist mir eine rechte Ehr’, das.“

„Freilich,“ sagte die Frau und fühlte sich recht behaglich im Stübchen, „bin die Bäuerin von der Länd’, fahr’ Wein kaufen aus; wisset, im Haus braucht man für’s Jahr so sein Tröpfel. Seit mein Alter – Gott tröst’ seine Seel’ – todt ist, muß ich halt selber fahren. ’s ist viel Gescher für eine Frau.“

Von der Küche kam die Winzerin herein, sie breitete für das Mittagsmahl eine blaue Schürze über den Tisch. „’s ist gar zum schämen,“ murmelte sie für sich, aber so laut, daß es die Fremde wohl hören konnte, „hell zum schämen – das Tischtuch liegt im Waschtrog.“

„Nein,“ erinnerte der kleine Anton treuherzig, „Mutter, in’s Tischtuch hast Du ja den Fritzel eingewickelt!“

Eine große Schüssel mit dampfenden Erdäpfeln kam auf den Tisch; da polterte schon zu allen Löchern der Kinderschwarm herein. Unter diesen in Holzschuhen jetzt, aber immer noch mit aufgestrecktem Beinkleid der lustige Traubentreter, der Felix. Er bot der Frau kurz einen guten Tag und wollte sich des Weiteren nicht um sie kümmern, aber der Alte sagte: „Du, das ist die Ländhoferin. Dem Bärbel hat sie schon Geld gegeben.“

Da lächelte der Bursche ein wenig gegen die Frau hin und das war die ganze Ehrenbezeigung.

„Meinetweg’, Leut’, setzt Euch nur zusamm’, wie’s bei Euch der Brauch, und esset!“ rief leutselig die Großbäuerin und blickte mit wachsendem Wohlgefallen auf den jungen Mann, Felix geheißen, der jetzt in seiner feinen und kecken Gestalt mitten unter den Kleinen stand und das Tischgebet sprach. War ihm leicht anzusehen, daß er dabei an alles Andere eher denken mochte, als an den Sinn des Gebetes. Auch schnitt er während des Gemurmels Schwarzbrot auf, vertheilte die Beinlöffel und zog einigen Erdäpfeln die Haut ab.

„Wart’ nur, Du!“ verwies ihn hernach seine Mutter, die Winzerin, „hast zum Beten nicht Zeit zur rechten Stund’, so wird der Herrgott auch nicht Zeit haben, wenn Du ihn brauchst!“