„Sollst es nicht umsonst thun, ich geb’ Dir ein paar Pfeifen Tabak.“

„Die paar Pfeifen Tabak nehme ich,“ sagte der Kilian, „aber für das Dableiben wirst nichts schuldig. In so einer ungestürmen Nacht ist’s kurzweiliger, wenn Zwei sind. Die Brautleut’ sind nach Feichtau gegangen und noch gar nicht daheim, die stecken sich bei dem Gewitter heilig unter einen Tannenbusch.“

Der Köhler, der das sagte, war eine große, derbe Gestalt, deren Gesichtszüge unter dem dichten Kohlenruß kaum zu erkennen waren. Seine Augen schauten offen und sanft. Er stak in einem weiten Lodenkittel, die Schenkel umspannte eine verschlissene und versengte Lederhose, vom Knie abwärts waren die Füße nackt bis auf die Holzschuhe. Er warf Aeste und Kohlen in sein prasselndes Herdfeuer, welches den vorderen Raum der Hütte durch den Rauch mit flackerndem Roth erhellte. Zu Fuß des Herdes war ein beweglicher Holzbalken, und so oft der Mann auf denselben trat, sprühte und lohte das Feuer in heftiger, blauer Flamme auf. An der berußten Holzwand hingen unter Haus- und Küchengeräthen große Hämmer, Zangen und Hacken, und neben dem Herde stand ein kleiner Amboß.

Der Köhler ist hier auch Schmied. Er schmiedet den Holzleuten im Edelwalde ihre Aexte, Beile, schärfte ihre Steigeisen und Sägen – er ist der Geschicktesten, Fleißigsten und Wichtigsten einer im Walde. Auch ist ihm was dafür geworden.

Hinter seiner Werkstatt und Küche – das ist Eins – hat er eine recht geräumige Stube, da drin steht ein halb Dutzend Lehnstühle um einen langen Tisch herum. An der Wand sind Reh- und Hirschgeweihe, von denen des Köhlers Töchterlein seiner Tage meinte, sie wären aus dem Holze herausgewachsen. In der Tischecke ist das übliche Heiligthum – ein rauhgeschnitztes und hellbemaltes Muttergottesbild. Darüber ist allweg ein Kranz von Tannenzweigen oder Preißelbeersträuchern gewunden, im Frühjahre auch von Eriken, im Sommer von Farrnkräutern und Alpenrosen, im Herbst aus Enzianen und Edelweiß – im Winter schmiegt sich ein kunstvolles Gewebe von farbigen Moosen um des Hauses Heiligthum.

In dieser Stube treibt Kilian ein drittes Gewerbe. Dort im rauchgeschwärzten, aber reichgeschnitzten Kasten – der ist aus alten Tagen, heute schnitzt man weder in den Städten, geschweige im Walde so kunstreiche Möbel – stehen große volle Flaschen und ringsumher, wie durstige Zicklein um die Mutter, kleine Trinkgläschen.

Agnes, des Köhlers Töchterlein, ist in den Herbsttagen durch Gehege und Geschläge gegangen, hat Vogelbeeren und andere Beeren und Steinobst und Gewurzel gesammelt, und der Vater hat neben den Meilern einen kleinen Ofen gebaut, einen Thonkessel mit langem Rohre darüber eingemauert und in diesen Kessel die Waldfrüchte gethan, hat Alles fest verklebt und verschlossen, darunter Feuer gemacht, vor das Rohr eine Flasche gestellt und gerufen: „Jetzt, wenn ein guter Geist drinnen ist, so komme er heraus, ich beschwöre ihn!“ –

Also ein Geisterbeschwörer? Nein, ein Branntweinbrenner. Aus dem langen Rohre begann es vorerst zu dunsten, dann zu tropfen und endlich floß ein helles Brünnlein in die Flasche. Das war Kilian’s drittes Gewerbe.

Und wenn dann die Holzer, die Pecher, die Hirten, die Wurzner und Kräuterer, die Jäger und auch die Wilderer kamen, so setzten sie sich an den Tisch und redeten von Dem und Dem, was da im Walde war und nicht sein sollte, oder nicht war und sein könnte, oder auch was recht war, daß es war, oder recht war, daß es nicht war. Kam dann allemal der Kilian herbei und fragte: „Mögt’s Einen?“ Und sie darauf: „Gieb her Einen.“