Dann schlugen sie für das funkelnde Gläschen auf den Tisch die Münze hin, so fest, als wollten sie dieselbe vor dem Weggehen noch in Holz abprägen. Und das Wirthsgeschäft war Kilian’s viertes Gewerbe.
In der Köhlerhütte, Schmiede, Branntweinbrennerei und Schenke ging’s denn auch immer recht lebhaft zu. Da saßen sie stundenlang, nächte-, ja oft tagelang zusammen, die rauhen wildbärtigen Wäldler; jeder hatte sein Griesbeil neben sich lehnen und in der rechten Hosentasche ein langes, blitzendes Messer stecken. Manchem davon wäre auf entlegenem Waldweg nicht gut begegnen, sagen die Jäger. Der rechte Waldmensch mag unter allen Raubthieren den Jäger am wenigsten leiden. Der schießt ihnen den Braten vor der Nase weg und läßt, wenn er kann, die so Benachtheilten noch einsperren. Der Wäldler beichtet und betet, arbeitet und fastet, ist ein guter Kerl, aber dem Jäger trotzt er bis auf’s Messer. Gegenseitig mögen sie sich aus purem Jähzorn erschlagen, aber den Jäger morden sie mit Vorsatz. Wildschützen sind sie, und ginge es um Erd’ und Himmel.
Jetzt, da Kilian den Hans in die Stube führte, war sie leer. Der Köhler nahm dem Gast die Flinte ab und verbarg sie unter einer Diele des Fußbodens.
„Magst Einen, Hans?“
„Hast einen rechten Beißer, so gieb ihn her.“
Der Köhler steckte einen brennenden Span in den dazu bereiteten Wandhaken, brachte Schnaps und sagte: „Ich glaube schier, Du hast Dir heute keinen verdient.“
„Wesweg meinst das?“ fragte der Andere.
„Weil Du nichts, als wie den Wettergeier bei Dir hast.“
„Glaubst Du,“ sagte der Hans, „man fängt die Rehböcke und Gemsen so unter den Steinen heraus, als wie die Regenwürmer? Ei ja, wenn diese kreuzverfluchten Jäger nicht wären! Aber heut’ sind sie Dir wieder den ganzen Tag im Wald herumgestreift wie räudige Füchse. Und wenn Einer einmal sechzehn Jahr’ im Kotter sitzt, wie ich, nachher fährt er nicht mehr so hitzig drein. Probir’s nur selber. Wär’ Dir heute recht gut zu Schuß gekommen. Steht so etlich sechzig Schritt vor mir ein Vierzehnender, ein sakrisch Thier! Ich mich gleich hinter den Busch niederlassen und zur Wange fahren, ist das Erste. Paff! schnalzt es auf der anderen Seite und der Bock stürzt hin. Vermaledeit! denk’ ich – grad daß ich nicht geflucht hab’ – muß ein Jäger da sein. Sehe ich auch schon den Franzinger, wie er dem Thiere zuläuft. Jetzt, Franzinger, jetzt kommst mir zurecht, denk’ ich, jetzt zahl’ ich, daß Du mich in den Arrest hast geschickt! – und leg’ den Finger an den Hahn. Weiß der Teufel, wie mir gäh sein Kathel einfällt und die Kinder, zittert mir der Finger am Hahn. – Kathel, denk ich, Dich hab ich einmal gern gehabt, und ist Dir auch der flott’ Jägerbursch’ lieber gewest wie der arme Hans, ich trag Dir’s nicht nach, ich hab Dich einmal gern gehabt. – Und schieße nicht. Bin durch den Anwachs gefahren, als hätte ich das wilde G’jaid hinter mir. Was schieß’ ich heut’, daß mir die Kugel im Rohr nicht faul wird? Da seh’ ich den Geier und brenn’ ihn herab. Sollt’ eigentlich der Franzinger sein. Magst ihn haben, Kilian, nagle ihn auf Deine Hauswand, wenn Du willst, nur die paar Federn behalte ich mir, und noch was.“
„Ein sauberer Vogel,“ meinte der Köhler und wendete das Thier über und über, „ich mag ihn schon; mein Hühnervolk wird sich freuen, wenn es den Geier einmal auf die Wand genagelt sieht. Dank Dir Gott, Hans.“