Was blieb ihm übrig, als in den Hof hinabzugehen, wo er bei seiner Ankunft den sprudelnden Brunnen sah. Leise – mit großer Vorsicht, daß er die in der nachbarlichen Stube ruhende Bäuerin nicht wecke – kleidete er sich an. Als er nun aber das Zimmer verlassen wollte, fand er die Thür, die in den Vorgang zu führen schien, fest verschlossen.

Er versuchte den Eisenriegel mit der freien Hand zurückzuschieben – nicht möglich, das starre Federschloß hatte einen Blechmantel über.

Felix machte vor Ueberraschung einen gedämpften Pfiff, dann murmelte er: „Jetzt hat sie mich eingesperrt.“

Er suchte lange nach einem Schlüssel und fand keinen. Rathlos stand er da. Der Durst wäre schließlich noch zu verwinden, aber eingesperrt will er nicht sein. – Was hat sie ihn einzusperren!

Die Fenster sind groß genug, um durch dieselben hinauszusteigen, haben aber Gitter. Es ist ja begreiflich, daß sich der Ländhof gegen außen hin absperrt, doch, die redlichen Bewohner einschließen? Das ist keine Mode. – Traut man ihm nicht, dem Unterviertler? Oder will man ihm zeigen, daß er unter Herrschaft ist? Seine Herrschaft ist der Kaiser.

Dem Burschen kam der Trotz. „Weiß noch einen andern Weg in’s Freie,“ sagte er zu sich, „und ehvor ich mich gefangen halten laß’ wie ein erhaschter Vogel –! Wenn nur nicht etwa auch diese Thür –“

Er legte die Hand an die Klinke der Thür, durch die er gekommen war. Sie gab nach – Felix stand im Schlafgemache der Ländhoferin. – Der Mond schien auf die weißen Linnen ihres Bettes. Sie ruhte in einer anmuthigen Stellung. Nur einen kurzen, aber seltsamen Blick warf Felix auf sie hin, um dann auf Zehenspitzen der gegenüberliegenden Thüre zuzueilen. Diese öffnete er mit leichter Müh’ und schlüpfte in den finsteren Vorgang.

Es dauerte lange, bis er sich über die Stiege hinabgriff. Das Hausthor war ungesperrt.

Vor dem Brunnen kniete er hin und trank. Die Nacht war so schön und mild. Er schritt weiter hinaus zwischen den Stallungen, hörte hier ein Rind blöken, dort eine Ziege meckern, oder ein Pferd wiehern, oder einen alten noch wachen Knecht poltern. Vielleicht schritt der gute Junge auch an Geheimnissen vorüber. Ein solcher Hof ist reich an nächtlichen Thaten und Begebenheiten; denn nur die Nacht gehört dem Gesinde für sein eigen Leben, am Tage muß es dienen. In der Nacht hat manche Magd die Pfaid ihres Freundes auszubessern; in der Nacht muß der Knecht die schadhaften Schuhe seiner Liebsten besohlen; denn das Nähen versteht sie und das Schuhflicken er, und so ist auch im Bauernhofe die Theilung der Arbeit eingeführt.

Auf die grüne Länd schien derselbe Mond, wie daheim über die Weinberge – so ging Felix zur stillen nächtlichen Weile ein wenig spazieren. Er wendete um den Hof und ging am Ufer der Seim entlang. Der Fluß war auch hier nicht viel kleiner als im unteren Viertel. – Diese Wellen, in welchen der Mond schimmert, wann können sie am Winzerhause vorbeifließen? Ja, bishin wird die Sonne schon hoch am Himmel sein und da steht vielleicht der kleine Anton am Ufer und wirft Steinchen in das Wasser. „Warum gehen keine Schiffe auf dir, du liebe Seim?“