Winzerssohn, so wie diesem kann’s dir auch ergehen. Bleibst mit der Bäuerin nicht gut Freund, so bist auf’s Jahr um diese Zeit beim Soldatenleben, bist im fremden Land, mußt dich mißhandeln lassen von harten Menschen. Sollt’ ein Ehrendienst sein, der Soldatendienst; wolltest dich davor ja nicht fürchten. Das liebe Heimatsland muß seine Wächter haben – aber ’s ist ein Hundedienst. – Und Vater und Mutter daheim! Und thät dir gar der Gedanke an’s arme verlassene Mägdlein kommen! – Felix, so wie diesem kann’s Dir auch gehen.
„Meinetweg geht’s wie’s will!“ rief der Bursche laut, „die Ländhoferin mag ich nicht.“
Mag ich nicht! stimmte der Wald bei. Und zum Trotze einen hellen Juchschrei stieß Felix aus. Der Juchschrei gellte hin über die grüne Länd, hin über die blinkenden Dächer des Hofes und über die Seim.
Wie wollt’ ich gern ein Lied Euch singen
Von holder Minne süßen Dingen.
Hinter dem Hofe, wo die weißen Steine lagen und die weißen Birken standen, war die Schaftränke. Constanze saß auf dem Kopf des Wassertroges und sprach in menschlichen Worten zu den Lämmern.
Nicht in allen Fällen ist es Einfalt, wenn der Mensch menschlich mit den Thieren redet. Dichter thun es in ihrer Art, und man nennt sie deswegen gerade nicht einfältig. Jäger unterhalten sich mit ihren Hunden; alte, oft sehr geistreiche Jungfrauen mit ihren Katzen. – Ah, hast angebissen, Kerlchen! ruft selbst der Angler der gefangenen Forelle zu, und er muß es doch wissen, daß sie stocktaub ist.
Um wie viel erklärlicher ist es, wenn ein armes, einsames Menschenkind seine Zuflucht nimmt zu irgend einem Wesen, das ihm nie etwas Böses zugefügt hat, das es – wenn auch durch kein Menschenauge – treuherzig anblickt zu jeder Stunde – recht ergeben und recht vertrauend! Was Wunder, wenn das von seinem Geschlechte verlassene Menschenkind, das mittheilsame, sein volles Herz aufthut und sich ausspricht, ausweint vor dem guten Thiere, das so theilnehmend, so verständnißvoll zuzuhören scheint und gerade dadurch richtig das zu geben im Stande ist, was der Mensch sucht: Erleichterung und Trost.