„Ja,“ entgegnete Constanze, „gottswahrhaftig, das thät ich am liebsten. Aber das Papier hat mein Vormund und mein Vormund ist in Breitenschlag drüben.“
„Jetzt möcht’ ich doch beim Himmelherrgottskreuz wissen, was auf dem Papier Sauberes steht!“
„Es ist das Testament von meinem seligen Vater,“ sprach das Mädchen traurig, „mein Vormund hat es mir einmal vorlesen wollen; ich kann’s nicht hören, ’s thut mir mein Herz weh, denk’ ich an den armen Vater.“
An Felix’ Brust brach sie in ein krampfiges Schluchzen aus.
„Constanze, mein lieb’ Dirndl,“ versetzte der junge Mann, „Du bist allzu weichherzig. Schau, das soll man nicht sein auf der Welt.“
„Den Vater hat sie so hart behandelt, auf dem Todbette noch. ’s ist nicht zu sagen, was er neben ihr hat leiden müssen.“
„Kann mir’s jetzt wohl denken,“ entgegnete Felix, „aber schau, Constanze, so weinen mußt nicht. Wenn Eins da auch noch einmal leiden wollt’, was Andere schon gelitten haben – Dirndl, wohin thät Eins da kommen! – Fest auf die Füß’ stellen muß man sich und der Welt die Zähn’ zeigen! – Mußt mit dem Vormund reden, Constanze.“
„Das will ich thun; in der Sonntagsfrüh will ich nach Breitenschlag hinübergehen.“
„Warum erst in der Sonntagsfrüh, warum nicht morgen?“