„Dasselb’ ist fehlgerathen, Ländhoferin,“ versetzte Felix gelassen, „mit der lüderlichen Dirn’ nicht, die kenn’ ich nicht; aber – daß ich’s recht sag’, mit der Constanze will ich morgen nach Breitenschlag hinüber.“
Jetzt war’s offen. Die Ländhoferin tastete mit einer Hand nach der Bettwand; sie empfand einen plötzlichen Schwindel, sie meinte, es treffe sie der Schlag. Doch sammelte sie sich bald wieder insoweit, daß sie den Rock überwerfen und aus dem Bette springen konnte.
Da war Felix schon davon.
Die Ländhoferin trank viel kaltes Wasser an demselbigen Morgen. Drei Brände hatte sie zu dämpfen: die Liebe, den Haß und die Eifersucht.
Gegen Mittag hin wurde sie der Ueberlegung fähig. – Er will mit der Dirn’ fort? – Nimmermehr. – Wer kann ihn halten? – Niemand. – Aber die Dirn’ bleibt im Hause. Na, so herumlungern, das leichtfertige Volk, das wär’ das Rechte! – dagegen ist noch ein Herr da. Man ist verantwortlich für die Dirn’. Unter die Zuchtruthe gehört sie. Sie bleibt im Hause. – Dann wird auch er bleiben. Er muß weg von dieser Schlange. Sie müssen auseinander gebracht werden. Er muß fort.
Er fort? ein heißer Stich im Herzen der Bäuerin.
„Nein!“ sagte sie, „so weit ist’s nicht gekommen. Er kann nicht vernarrt sein in dieses blöde Schulmädchen – vor mir, mir, dem mannbaren Weibe –“ Sie blickte in den Spiegel. Wie vortheilhaft sah sie aus im Vergleiche zu diesem „ödweiligen, bleichsüchtigen Geschöpfe!“ – Und war sie nicht die Hausfrau, die Befreierin aus dem Soldatenjoch – hatte sie nicht gleichsam eine Krone zu vergeben? – Der Bursche ist schlauer, als er aussehen mag; er will sie, die Bäuerin versuchen, auf daß er rascher zum Ziele komme. – Gut. Wenn’s schon anders nicht mit ihm zu schaffen ist – zu Martini soll die Hochzeit sein. – Die Froschreiterleut’ im Unterviertel, das sind arme Schlucker, denen schickt sie für Allerheiligen einen Wagen mit Lebensmitteln. Und ausgemacht wird’s heute Abend noch – dann ist er festgebunden und die Dirn’ muß doch fort. Sie ist die Unheilstifterin im Hof – um Haus und Bräutigam geht der Streit. Diese unselige Creatur – weit muß sie weg – auf immer muß sie fort, und das heute besser, wie morgen!
An diesem Samstage wurde der vor Kurzem am jenseitigen Ufer der Seim aus der Bleiche gehobene Flachs eingeheimst. Der Strang der Ueberfuhr ächzte, der Endring des Seiles rollte hin und her und die Plätte – eine schwimmende Holzbrücke – glitt über das Wasser bis an’s andere Ufer und stets mit voller Flachsladung wieder zurück. Die Arbeitsleute waren in guter Laune, beim Flachs giebt es ein lustiges Hantiren – jetzt kommt er in den Dörrofen und nach wenigen Tagen ist das Brecheln. Das Brecheln ist ein Hochfest für den Hof. Da muß sie gerngebig sein, die Bäuerin, sonst fährt ihr Name schlecht von Mund zu Mund in der ganzen Gemeinde um. Und der hübsche Unterviertler, da wird er wohl auch beim Tanzen mitthun, wird gewiß recht fein tanzen – so manches Mägdlein im Hofe denkt daran.
Auch die Bäuerin denkt an das Brechelfest. Da wird sie das erstemal mit Felix in den Reigen treten, und das soll die große, öffentliche Kundgebung sein: die Ländhoferin heiratet den jungen Unterviertler!
Nur Acht haben, daß der Flachs trocken unter Dach kommt! – Es will – scheint es – grob’ Wetter werden. Im Gebirg’ d’rin hatt’s tagelang schon gestürmt und geregnet, das merkt man am Wasser. Wird auch auf der Länd nicht lange warten lassen, der Himmel sticht in’s Bleigraue. Windstöße rütteln an den Bäumen und die gelben Blätter flattern zu Hunderten hin über den Hof, über die Wiesen und in den Fluß. Das sind die Schwalben des Spätherbstes.